liegen sogar Thatsachcn vor, welche auf eine derartige Umänderunghinweisen. Aber zu jenen der Chemie entlehnten Gründen für dieAnnahme, daß der Granit sich aus dem geschmolzenen Zustande ge-bildet habe, treten die von Hut ton zuerst angeführten der Lagc-rungsverhältnissc hinzu, und diese sind völlig entscheidend. In vielenTheilen Englands, in der Schweiz, in Sachsen und an vielen an-dern Punkten der Erdfläche, sieht man den Granit in Spalten,Klüfte und Auszackungen anderer Gcbirgsartcn so eindringen, unddie leeren Räume so ausfüllen, wie dies nur in einem flüssigenZustande möglich war. Auch wirkte der Granit auf die neben gela-gerten Gesteine aus eine Weise ein, die von einer hohen Tempera-tur zeugt. Es kann darum vernünftiger Weise nicht mehr bezweifeltwerden, daß der Granit ursprünglich sich in einem geschmolzenenZustande befand. Der Granit geht aber, wie oben "nachgewiesenworden, in unmerklichen Abstufungen in die übrigen Urgcbirgsartenüber. Vermehrt sich in ihm der Glimmer, und nehmen die Glim-mcrblättchcn eine mehr parallele Lage an, so entsteht der Gneis-Stellt sich im Granit Hornblende ein, und treten dagegen Quarzund Glimmer thcilweisc oder endlich ganz zurück, so geht der Granitunmerklich in Syenit über. Ebenso ist, unter Andern von L. v.Buch, der stufenweise Uebergang des Granits in Trachyt, beste-hend aus einer Fcldspathmassc mit Feldspath-Crystallcn, so wie aufder andern Seite des Syenits, durch Zunahme der Hornblende, indie Grünsteine der Trappformation, nachgewiesen worden, und beideGesteine stehen den ncuern vulcanischen Produkten sehr nahe, undsind mit ihnen unbestritten desselben Ursprungs. Wenn nun also dieGrundlage der Erdoberfläche aus Urgebirgsarten besteht, und diesesich nicht anders, als aus dem geschmolzenen Zustande entstanden,erklären lassen; so folgt freilich nur daraus, daß die Oberflächeder Erde ursprünglich die Temperatur des Schmelzpunktes für solcheStcinmasscn gehabt haben müsse. Nur scheint es auf den erstenAnblick zulässig zu sein, anzunehem, daß im Innern der Erde eineniedrigere Temperatur vorhanden gewesen sei. Aber für diese Annahmesprechen gar keine Gründe. Vielmehr muß es sehr unnatürlich er-scheinen, die geschmolzene Erdrinde, welche auf der einen Seitedurch die sehr niedrige Temperatur des Weltraums begrenzt wurde,auch aus der andern Seite durch einen kalten Erdkern eingeschlossenanzunehmen; es könnte dieser Zustand nur durch Annahme einesUngeheuern chemischen Prozesses erklärlich erscheinen. Am unzwei-deutigsten aber widerspricht dieser Annahme die jetzt noch vorhandenehohe Temperatur im Innern der Erde. Es bleibt also keine andereHypothese zulässig, als die, welche den ursprünglich geschmolzenenZustand der ganzen Erdmasse voraussetzt.
War die Erdrnassc ursprünglich im geschmolzenen Zustande, undein anderer flüssiger Zustand kann nach unseren Naturkenntnissen garnicht vorausgesetzt werden; so konnte nun die Erde genau diejenigeabgeplattete Kugelgestalt annehmen, die ihrer Größe und ihrerUmschwungs-Geschwindigkcit entspricht, wie sie wirklich diese Gestalt