auf die in Sibirien gefundenen fossilen Knochen von größern Artender Säugcthicre hinlenkte. Auch fand er in dem gefrorncn BodenSibiriens ein ganzes Rhinozeros mit Haut und Fleisch, wodurchdie Rätbsel der Geologie noch um ein neues vermehrt wurden. Erstellte zwar ein geologisches System aus, das aber vorzüglich nurdienen sollte, um seine Beobachtungen gleichsam in einen Rahmenzu fassen. Saussure bekümmerte sich noch weniger um geologischeSysteme.
Im Jahre 1775 wurde Werner als Professor der Mineralogiebei der Berg-Academie in Freyberg angestellt. In wenigen Jahrenerlangte Freyberg durch Werner Ruf in ganz Europa, und selbstältere Gelehrte des Auslandes lernten die deutsche Sprache, undgingen nach Frcvberg, um dort zu den Füßen des großen Meisters zusitzen. Durch Werner erst wurden Mineralogie und Geognosie zumRange von Wissenschaften erhoben. Er lehrte die verschiedenen festenMassen der Erdrinde erstens nach ihren räumlichen Verhältnissen,und zweitens nach ihrer innern Beschaffenheit aufschien, und brachtedadurch Licht und systematische Anordnung in die gcognostischenBeobachtungen und Erfahrungen. Allerdings waren ihm in derClassisikation der Felsarten die Italiener zuvor gekommen. SchonArduinv hatte im Jahre 1759 in seiner Abhandlung über die Ge-birge von Padua, Vicenza und Verona die Felsarten in primäre,secundäre und tertiäre unterschieden. Der preußische Bergrath Leh-mann hatte schon drei Jahre früher denselben Unterschied nachge-wiesen. Fortis, Desmarest und Odoardi hatten schon vorWerner diesen Unterschied durch vervielfältigte Beobachtungen zubelegen gesucht, und besonders machte Letzterer auf das verschiedeneAlter der apenninischen und subapenninischen Formationen auf-merksam. Aber Werner erst bildete die Geognosie wissenschaftlichaus. Nachdem er dieser Disciplin Leben und Geist eingehaucht, wurdesie für jede Academie ein unentbehrlicher Gegenstand des Studi-ums und der Lehre, für jeden höheren Bergbcamtcn Berufswissen-schaft. So hatte er die Geologie aus der phantastischen Schwebezwischen Himmel und Erde, dem festen Boden der Erde zugeführt,sie unter den Menschen eingebürgert, und mit ihren Bestrebungenenge verflochten. Die Geologie würde durch Werner zu einer selbst-ständigen Wissenschaft erhoben, die es sich nicht mehr zur alleini-gen Aufgabe machte, über die allmächtige Ausbildung der ErdrindeHypothesen aufzustellen, und noch weniger die Geheimnisse der Schö-pfung zu enträthseln. Werner war zugleich ein ausgezeichneter Leh-rer; seine Schüler hingen mit großer Verehrung an"ihm, und wa-ren alle voll Begeisterung für ihre Wissenschaft. Die NamenAlexander von Humboldt, von Buch, Weiß, d'Aubuisson,die dem langen Verzeichnisse seiner Schüler angehören, werden ge-nannt werden, so lange naturwissenschaftliche "Forschungen Werthbehalten. Doch auch Werner bezahlte den Tribut der Beschrän-kung menschlicher Natur; er verfiel in einen Jrrthum, und zwarin einen wesentlichen. Er hatte seine Forschungen nicht über die Ge-