— 40 —
in die unterirdischen Gewässer, trieben diese nach oben, so daßgroße Ueberschwemimingcn entstanden; die Gewässer verliefen sichjedoch später wieder in "die Tiefen. — Man sieht hieraus, daß dasSystem von Leibnitz in der Ausführung noch viele Jrrthümereinschloß. Hatte aber nicht auch Copernicus irriger Weise diePlanetenbahnen für Kreise ausgegeben? Die Grundidee war hierund dort richtig aufgefaßt; es konnte nunmehr der Folgezeit über-lassen bleiben, die Nebenbegriffe durch Erforschung neuer Thatsachenzu berichtigen und zu erweitern. —
Das geologische System von Buffon, das im Jahre 1745erschien, schließt sich dem Snstemc Leibnitzens sehr enge an.Nach Buffon glühte die Erde, seit ihrer Trennung von derSonncnmasse, noch 3000 Jahre lang fort, und erst nach 25000Jahrenschlug sich das Wasser aus der Atmosphäre nieder. Es bedecktedie Erde 12000 Fuß hoch, so daß nur die höchsten Berggipfel ausdemselben hervorragten. Jetzt bildeten sich die Fclslager in derTiefe der Meere; Ebbe und Fluth bewirkten, daß sich das Gesteinan einigen Stellen mehr anhäufle, als an andern; so entstandendie Berge und Thälcr. Die Berge bestehen nach Buffon auslauter parallelen Schichten, und "meistens liegen diese horizontal.In der immer mehr erkaltenden Erde bildeten sich große Räume.In diese drang vor und nach das Wasser ein, und so entblößtesich mehr Festland. Auch sanken oft ganze Gegenden in die Tiefe.So sank einst die große Atlantis. Bei dieser Gelegenheit, undals das Meer die Landenge bei den Säulen des Hercules durch-brach, und in das mittelländische Becken sich stürzte, sank wiederumder Meeresspiegel um ein beträchtliches. Als die Erde noch sehrwarm war, lebten Elcphanten, Wallrosse, Schildkröten w. bis zuden Polen hinauf. Es gestaltete sich allmählig die Erde währendeines Zeitraums von fernem 20000 Jahren zu einem Zustande,daß sie von Menschen bewohnbar wurde. Auch während der ge-schichtlichen Zeit veränderte sich die Erdoberfläche sehr stark. Vulkanevermochten sehr wenig einzuwirken, da ihr Feuerhccrd nicht tief,nicht unter der Meeresfläche, liegt. Die Erkaltung der Erde nimmtimmer mehr zu, und nach einem Zeitraum von 93000 Jahrenwird alles Leben auf Erden vor Kälte umgekommen sein. —Buffon standen bei weitem nicht alle physikalischen und gcognosti-schen Kenntnisse seiner Zeit zu Gebote, und er ging in "seinenRaisonncments selbst weit über deren Bereich noch hinaus. Ermußte darum in große Jrrthümer verfallen.
Wir wenden uns jetzt wieder nach Italien zurück, dem Lande,wo die ersten gründlichen Kenntnisse der Petrefactenkunde gesam-melt wurden, und wo man bisher fortwährend bemüht war, siezu erweitern. Man bespöttelte dort die physico-theologischenSystem von Burnct, Woodward und Whiston und be-