empor gehoben, während andere Strecken des Festlandes eingesunkenund vom Meere überdeckt worden seien. — Diese Ansichten schlössensich den damals bekannten Thatsachcn so enge an, und warenaus diesen mit so strenger Konsequenz gefolgert, und so klar gedacht,daß man sich wundern müßte, wie wenig sie beachtet wurden,wenn es nicht eine vielfach bestätigte Erfahrung wäre, daß dieeinfach großen, auf besonnene Folgerungen begründeten Ideen ofteiner sehr langen Zeit bedürfen, um sich die ihnen gebührendeGeltung zu verschaffen, während Gebilde der Phantasie viel leichterEingang finden. Bei den Einsichtigern seiner Zeitgenossengingen freilich die Belehrungen von Hookc nicht verloren. Dertreffliche John Ray trat ganz in seine Fußstapfen. Veränderungdes Schwerpunkts der Erde, so wie vulcanische Kräfte sind beiihm die alleinigen Ursachen der Gestaltungen der Erdoberflächegewesen. Auch schreibt er die Sündfluth der Veränderung derRotations-Achse der Erde zu. Er hatte über die zerstörenden Wir-kungen der Flüsse und des Meeres in seinem Bereiche Beobachtungengesammelt, und hielt diese Wirkungen für mächtig genug, um allmächtigdie vollständige Auflösung des Festlandes herbei zu führen. Deneigentlichen Weltuntergang schrieb er aber nach den damals herr-schenden Ansichten einem zu erwartenden allgemeinen Brande zu.
Es war einem deutschen großen Manne vorbehalten, propheti-schen Geistes in der Geologie eine neue Grund-Idee aufzustellen,die freilich zur damaligen Zeit noch nicht gefaßt wurde, die aberin den neuern Forschungen als die einzig wahre ist anerkanntworden. Was Copernicus für die richtige Lehre vom Weltbanwar, das wurde nach ihm Lcibnitz für die richtige Lehre derAusbildung der Erde. Leibnitz gehört mit zu jenen Männern,in derem Kopfe, um mich noch einmal eines Lichtenberg'schenAusdrucks zu bedienen, lauter fruchtbare Ideen liegen, die sichsuchen, finden und neue zeugen, wenn sie auch Anfangs um eineganze Kopfbreitc auseinander liegen. Und Kepler hätte ebenso gut von Leibnitz sagen können, was er in der Vorrede zuseinen Rudolphinischen Tafeln von Copernicus sagt: iVIsximnvir iuvenil», vt qnnil in Irne oxoroitic» mnxiii mnmvnti est,-, »i», c> > i I, e r. Mit solch freiem, tief eindringenden, schöpferischenGeiste hat Leibnitz seine Protogäa geschrieben, die im Jahre IK9Zin den netis erinlitorum Illpsieiisiuin im Auszuge, aber erst imJahre 1749 besonders und vollständig erschien. — Die Erde warAnfangs eine geschmolzene Masse. Bei ihrer Erkaltung bildete sichdie feste Erdrinde, mit vielen Erhebungen und Vertiefungen undgroßen Höhlen im Innern. Als die Abküh-lung weit genug fort-geschritten war, schlugen sich die Wasscrdämpfe aus der Atmos-phäre nieder, und bildeten die Gewässer, welche fast die ganze Erdebedeckten. Noch später zerriß die Erdrinde, die Wasser verloren sichzum Theil in der Tiefe, und es entstand an vielen Stellen festesLand, was früher vom Meere bedeckt gewesen war. Später brachennoch zu wiederholten Malen ganze Landstriche zusammen, sie stürzten