deutende Schenkungen an liegenden Gütern entgegen zu nehmen,und dieselben durch förmliche Urkunden, worin es heißt, diese Schen-kungen seien von den Besitzern bei dem Herannahen des Wettendes,oder bei dem bevorstehenden Heieinbruch des großen Gerichtstages,gemacht worden, zu verbriefen. Nachdem der Erfolg diese Prophe-zeihungcn Lügen gestraft, war man freilich gezwungen, den verkün-deten 'Weltuntergang einer entferntem Zukunft zuzuweisen; aberfünf Jahrhunderte lang galten die hypcr-orthodoxen geologischen Lehr-sätze noch als unangetastete Wahrheit. Bei dem ersten Wiederauf-wachen wissenschaftlicher Forschungen, im südlichen Europa, begriffman allerdings die große Schwierigkeit, eine ganze Thier- und Pflan-zenwelt in dem festen Gesteine der höchsten Gebirge und der tiefstenAbgründe durch eine einzige, kurz anhaltende Fluth begraben zulassen. Daß die Fluth auch das Gethier in Flüssen, Seen undMeeren ersäuft habe, hat neuerdings noch Herr Professor G ru i th ru-fen in München mit aller Evidenz nachgewiesen; — von dieser Seitekonnte also um so weniger in jenen Zeiten ein Skrupel auskommen.Die Schwierigkeit lag vielmehr darin, wie die Leichname der rodtenWelt ins Innere der Gesteine unversehrt eindringen konnten. Manwußte nicht besser diese Schwierigkeit zu umgehen, als indem manden organischen Ursprung der Petrefactcn ganz leugnete, also an-nahm, entweder die Versteinerungen wären in den Gesteinen miterschaffen worden, oder hätten sich in ihren Lagerstätten selbst gebildet.
In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts sing man inItalien an, gegen solche Ausflucht Zweifel zu erheben. Da die mei-sten italienischen Gebirge jüngeren Formationen angehören; so sindsie voller Versteinerungen, die seit einer Reihe von Jahren bei zu-fälligen Ausgrabungen gesammelt worden waren, und mehrfacheVeranlassungen zum Nachdenken gegeben hatten. Besonders suchteFracastoro die Ungereimtheit nachzuweisen, daß man eine bildendeKraft der Erde annähme, die den Gesteinen organische Formen mit-theilc. Er wies ferner auf die überzeugendste Weise nach, daß dieschnell vorübergehende mosaische Fluth wohl vermögend gewesen sei,Seemuscheln weit ins Land hinein zu führen, aber nicht sie in dasInnere ungeheurer Fclsenmasscn zu versenken. Man kann leicht er-messen, daß eine solche Schrift nicht ohne heftigen Widerspruch undVcrketzcrung davon kam. Die Verständiger» wandten ein, die Erdemüsse wohl bei ihrer Erschaffung eine viel stärkere plastische Erzeu-gungskraft gehabt haben, als in unfern Tagen, damit sie so vieleThiere und Kräuter habe hervorbringen können; sie verwahre dar-um auch die Spuren ihres überwiegenden Bildungs-Tricbes aus jenerZeit in ihrem Innern. — Andere stellten viel wunderlichere Behaup-tungen auf. Agricola, der berühmteste Bergmann des 16. Jahr-hunderts, behauptete, eine fettige, durch Wärme in Gährung gebrachteMaterie habe den Pctrefacten ihre Entstehung gegeben. Fallopioin Padua schrieb ebenfalls der Gährung, und einer unruhigen Be-wegung irdischer Ausdünstungen, die organischen Gestalten in denGesteinen zu. Die bei Puglia gefundenen Elephantenzähne erklärte
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