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dort sie ausgetrocknet. — Diese allgemeinen Sätze werden mit vielenBeispielen belegt. Aber eS werdet! daraus keine Schlüsse gezogen,um die Ausbildung der Erde nachzuweisen.
Das vorstehend Mitgethcilte liefert den Beweis, daß weder dieRömer noch die Griechen in ihren Betrachtungen über die Verän-derungen auf der Erde sich zu einem geologischen Systeme erhebenkonnten. Wenn man ihnen dies zunssVorwurfe machen wollte; somuß dagegen erwogen werden, daß sie bei ihrer nüchternenDarlegung der wenigen Thatsachen, die sich ihnen ohne besonderesStudium der Natur aufgedrungen, wenigstens die Abwege aben-thcucrlicher Ideen vermieden, in welche sie hätten verfallen wüsten,wenn sie bei ihren geringen Kenntnissen sich in tiefer eingehendeSpeculationen hätten einlassen wollen. Die spätem Jahrhundertewaren weniger zurückhaltend und besonnen bei der Aufstellung hy-pothetischer Systeme. Wäre man darin dem Beispiele der Griechenund Römer gefolgt, die Hypothesen nicht weiter zu verfolgen, alssie durch klar erkannte Thatsachen gestützt wurden; so würde dieGeschichte der Geologie nicht von so großen phantastischen Geistes-Verirrungcn zu berichten haben.
In den Zeiten des Mittelalters ist so gut wie gar nichts fürdie Kenntniß der Erdbildung geschehen. Von einem gewissen Omar,der im zehnten Jahrhundert lebte, rührt eine arabische Schrift her:»Ucber den Rückzug der Meere.« Er soll in derselben, gestütztauf alte Charten indischen und persischen Ursprungs, nachgewiesenhaben, daß das Meer früher einen bedeutendem Umfang gehabt, undallmächtig zurückgewichen sei. Er wurde seines Systems wegen,das dem Koran zuwider war, von den Rechtgläubigen verfolgt undvertrieben. Der Koran lehrt nämlich, die Gewässer der Sündfluthhaben sich auf das Gebot Gottes: »O Erde verschlinge das Wasser,und du Himmel halte den Regen zurück,« plötzlich verlaufen.Merkwürdig ist noch, daß der Koran die Gewässer der Sünd-fluth dem weiten Munde einer alten Frau entströmen läßt. Hierbedürfte es wohl für Manchen, um jeden Gedanken der Persiflageabzuwehren, des Zusatzes, womit noch immer die östrcichischen Kaiserihre Urkunden vollziehen: »Das meinen wir ernstlich.«
Gegen Ablauf des ersten Jahrtausends unserer Zeitrechnungerwartete man allgemein den Weltuntergang. Aus einigen Stellender Bibel construirte man sich zu jener Zeit ein sehr einfaches geo-logisches System. Gott schuf die Erde, wie sie noch jetzt beschaffenist, und gleichzeitig das erste Mcnschenpaar. Die Sündfluth wardie einzige große Katastrophe, durch welche auf der Erde Verände-rungen hervorgebracht wurden. Den Untergang der Welt erwarteteman auf ausdrückliches göttliches Geheiß, nicht im natürlichen Ver-lauf der Dinge. Es scheint, als ob in vielen Gegenden die Geist-lichkeit mit geringerer Zuversicht den Weltuntergang erwartet habe;wenigstens ist so viel gewiß, daß sie sich die "Mühe gab, be-