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Wasserstand.« Diese Erklärung hat sich erst in unsern Tagenvollkommen bestätigt, und sie reicht im prophetischen Geiste überdie Naturkenntniß der Alten weit hinaus. Wenn aber Strabonun weiter bei seiner Untersuchung, ob denn der Meeresbodenoder das feste Land gehoben und gesenkt worden sei, die Mei-nung ausspricht, nur "dem Meeresboden könne man solche Verän-derungen zuschreiben, weil er durchwässert sei, und hinzusetzt,die Lust, die Hauptursache aller solcher Veränderungen, vermaghier das meiste; so verfällt er hier Jrrthümcrn anHeim, die in denNaturwissenschaften von jeher das Loos jeder Specnlationf gewesensind, die nicht aufThatsachen gebaut waren. Im Verfolg seinerDarstellung berichtet er, daß nicht bloß Steimnassen aus demMeere seien empor gehoben worden, sondern auch Inseln, undnicht bloß kleine Inseln, sondern auch große und selbst Festland.Er führt dann viele Beispiele aus Phönizicn, dem Archipelagus,Vordcrasicn, Aegypten, endlich aus dem Hellas an, um nachzu-weisen, von welchen großen Veränderungen auf der Erde selbst dieGeschichte noch Kunde gebe.
Plinius erklärt die Welt für ein ewiges, unendliches, göttli-ches Wesen, das nicht erzeugt worden und nicht wieder aufgelistetwerden könne. In diesem Systeme blieb ihm, wie überhaupt demAlterthum, jeder Gedanke an eine allmählige Ausbildung der Erdefremd. Er zählt viele Inseln auf, die aus dem Meere emporgestiegen sind; er gibt mehrere Orte an, wo sich das Meer zu-rückgezogen habe; er weiset nach, wo das Meer Länder getrennt,und wo Inseln mit dem Festlandc verbunden worden seien; dannnoch führt er neben der großen Atlantis, die nach Platon'sBericht im Meere verschwunden sei, mehrere andere Beispiele an,daß Inseln im Meere versanken. Aber auf Hypothesen über dieUrsache und den inncrn Zusammenhang solcher Erscheinungen läßter sich nicht ein.
Ovid trägt im 13. Buche seiner Metamorphosen das Lehr-system des Pythagoras über das Bestehen der Welt vor. Eswird zuerst behauptet, daß Alles aus den vier Elementen zusammengesetzt sei, und daß diese sich gegenseitig durchdringen und wiedertrennen. Nichts vergeht in der Welt, sondern die Dinge verändernnur ihr Ansehn. Geboren werden heißt nur, anfangen etwas zusein, was^ von dem verschieden ist, was es vorher war; und sterbenheißt, aufhören dies zu sein. Und obgleich einiges bald dies baldjenes ist, so bleibt doch die Summe von Allem immer ein und die-selbe. Was früher festes Land war, wird zum Meere, und ausdem Meere wird Land; weit von der See liegen Scemuscheln, undauf hohem Gebirge ist ein alter Anker gefunden worden. Die Ebenewurde durch abfließendes Gewässer zum Thale, und der Berg durchAbwaschung dem Meere zugeführt. .Sümpfe trockneten aus, undtrockne Gefilde verwandelten sich in stockende Sümpfe. Hier öffnetdie Natur neue Quellen, und dort verschloß sie die alten; und dieErschütterungen der Erde haben hier Flüsse hervorströmen lassen, und