Druckschrift 
Die Constitution des Erdkörpers und die Bildung seiner Rinde
Entstehung
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

30

nische Fluth nicht die ganze Erde, sondern nur einen bestimmtenTheil von Hellas, betroffen habe, und durch ein regnerisches Jahrhervorgebracht worden sei. Er berichtet, daß früher ganz AegyptenMeer gewesen, und daß der Nil durch Anschwemmung das Landimmer mehr erweitere. Ueberhaupt behauptet er, daß die einmaligeVerthcilung von Land und Meer nicht durch alle Zeiten fortdaure.Wo vorher Land war, wird Meer, und es wird Land, wo vorherMeer war. Auch bemerkt er, daß die Veränderungen auf der Erdeim Vergleich der Dauer des Menschenlebens so langsam fortschreiten,daß sie oft übersehen werden, und daß die Wanderungen der Völkernach großen Eatastrophcn die Veranlassung sind, daß jene Verän-derungen vergessen werden.

Ausführlicher läßt sich der gelehrte, vielgewandcrte und klareStrabo über die Veränderungen auf der Erdoberfläche aus. Erthcilt zuerst die Beobachtungen des Eratosthcnes mit, denenzufolge in Aegypten WW ja 3000 Stadien vom Meere ent-fernt, im Mittcllande, eine Menge Schnecken, Austerschalcn undKlaffmuscheln, auch Mcersümpfe sich zeigen, wie z. B. um denTempel Jupiter Ammons. Dann prüft er die Erklärungdes Naturforschers Straton, der diese Beobachtungen durchviele eigene bestätigt, und welcher der Ansicht zu sein scheint, dasschwarze Meer und das mittelländische Meer seien früher nicht beiByzanz unter sich, und bei den Säulen des Hercules mitdem atlantischen Meere verbunden gewesen; beide Meere seien da-mals durch Ucberfüllung der Flüsse hoch aufgestaut worden, so daßes die benachbarten Länder bedeckt habe, bis dasselbe endlich in dengenannten beiden Meerengen einen Durchbruch bewirkt, woraufdie Wasser gefallen seien, und die jetzige Höhe angenommen haben.Er hält es für wahrscheinlich, daß der Tempel Jupiter Ammonsehedem am Meere gelegen habe, weil das Orakel nur dadurch habeso berühmt werden können; er bestätigt hierin die Meinung desEratosthcnes, der dieselbe darauf gründet, daß man bei jenemTempel nicht allein Muscheln, sondern auch Trümmer von Schiffenund auf Säulchen ruhende Delphine mit der Inschrift gefunden:»Vom Kyreni'schen Orakelgesandtcn.« Straton sucht seinerErklärung dadurch Wahrscheinlichkeit zu verschaffen, daß er dieUngleichheit des Meerbodens nachweiset, und wie ein Meer tief,das andere seicht sei. Strabo kann nicht begreifen, welchenZusammenhang die Unebenheiten des Meerbodens mir seinen Uebcr-schwemmungcn ganzer Länder habe, und verwirft die Erklärungdes Straton. Dann gibt er die folgende sehr merkwürdige eigeneErklärung: »Aber daß das Meer steigt und sinkt, und mancheGegend überfluthct und dann wieder zurück weicht, davon liegt dieUrsache nicht darin, daß die Meergründe verschieden, einige niedri-ger, andere höher sind; sondern darin, daß dieselben Mecrgründczuweilen erhöht werden, zuweilen wieder sinken, und das Meermit sich emporheben oder mit sich hinabzichen; gehoben nämlichwird es überfluthen, gesunken hingegen zurücklaufen auf den alten