Druckschrift 
Die Constitution des Erdkörpers und die Bildung seiner Rinde
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22

keinem Punkte der Erde fehlen. Ihre sehr bedeutenden Emporhe-bungen, und ihre furchtbar zerrissenen Massen deuten auf eineBildungszeit hin, wo die Naturkräfte in dem ungeheuersten Auf-ruhr mit einander kämpften. Das Bestehen organischer Gebildewar unter solchen Zuständen unmöglich.

Das Ucbergangsgebirge ist ein Gebilde des Meeres, nur sehrwenige und beschränkte Räume siud von ihm entblößt. Wahrschein-lich fehlt es nirgends anderswo, entweder selbst zu Tage liegend,oder von jungem Gebirgsmasscn bedeckt. Seine ordnungslos durch-einander geworfenen Schichten nehmen jede Neigung gegen denHorizont an, und wechseln in kurzen Erstrcckungcn. UngeheureSpalten durchsetzen sowohl die Urgebirge als die Ucbergangsgebirge;diese Spalten dehnen sich oft meilenweit aus, und ihre Mächtigkeitkann bis auf ll)U ja sogar auf 15G ansteigen. Sie sind mitkrystallinischcn Gesteinsartcn, die unbestreitbar crus der Tiefe empordrangen, gefüllt. Quarz, Hornstein, Braunspath, Flußspath,Thon und Letten bilden gewöhnlich die Ausfüllmasscn dieser Spalten.Sehr häufig kommen aber auch granitische und basaltische Gang-massen vor. Die Gänge bilden die eigentlichen Lagerstätte derMineralien, und besonders der Erze. Während die gewöhnlichenGebirgsmasscn nur geringe Verschiedenheit in ihren Bcstandthcilenzeigen, sind die Gänge die Fundorte, wo noch fortwährend neueCombinationen der einfachen Stoffe entdeckt werden. Sehr häufigfindet man Spalten, Klüfte und Räume des Ucbergangsgcbirgsmit Urgebirgsmassen ausgefüllt, die unmittelbar mit den " anlie-genden primitiven Gebirgsmasscn in Verbindung stehen, und dienur im flüssigen Zustande sich in diese Räume hineindränge» konnten.Die Urgebirgsmassen haben augenscheinlich an manchen Stellendie Grauwacke durchbrochen, bedecken sie theilweife, haben Bruchstückeabgerissen und dieselben mit ihren Versteinerungen eingehüllt. Auchist der Umstand sehr wichtig und entscheidend, daß die Urgebirgs-massen, wo sie in das sccundärc Gebirge eindrangen, an den Be-rührungsflächen und oft tief in das Gestein hinein, sehr wesentlicheUmänderungen bewirkten, die nur in einer hohen Temperaturihre Erklärung finden.

Je weiter man in dem Gebirgsalter abwärts steigt, destoweniger trifft man auf Spuren jener furchtbaren Umwälzungen, jenerungeheuren Emporhebungen, welche der jetzigen Gestalt der Erdrindeihren Character verliehen. Die Schichten entfernen sich immerweniger von der horizontalen Lage, innere Zerreißungen und Ver-werfungen werden seltener und unbedeutender. Die Spalten sindhier nicht mehr mit krystallinischem Gesteine ausgefüllt. SolcheZerreißungen und Verwerfungen sind im Kohlengebirge noch sehrhäufig. In den Kreidelagern und den noch jüngern Formationenkommen sie kaum an wenigen einzeln Punkten noch vor.

In anderer Beziehung unterschieden sich die eigentlichen Flötz-gebirgc dadurch wesentlich von den ältcrn Gebirgen, daß die einzelnenFormationen nur ziemlich kleine Theile der Erdfläche bedecken