— !> —
Daß die Warme, welche auf der Erdoberfläche verbreitet ist,ihre Hauptguellc in dem Sonnenlichte habe, lehren die großenTemperatur-Unterschiede zwischen Tag und Nacht, Sommer undWinter, und zwischen den verschiedenen Zonen der Erde. Unter demAeguator beträgt die mittlere Lusttemperatur 22 ° R>, die mittlereMeerestempcratur 20'/, ° R. Die Lufttemperatur übersteigt aufdem Lande nie 36°, und zur See nie 23°. Die Temperatur desMeerwasscrs kann ebenfalls bis zu 25 ° emporsteigen. — Die Tem-peratur der Erdpole kann nur aus der Temperatur benachbarterGegenden geschlossen werden. Es sind Gründe vorhanden anzuneh-men, daß die mittlere Temperatur des Nordpols von der der Mcl-ville Insel, die Parry zu 12" unter Null bestimmt hat, nicht sehrabweicht. Die niedrigste Temperatur, die je beobachtet worden ist,beträgt noch nicht 40" unter Null. Die südliche Halbkugel istkälter als die nördliche. Und auf der nördlichen Halbkugel habengleiche Breiten im Westen von Europa eine höhere Temperatur,als im Osten; und in Asien und Amerika steht die Temperatur fürgleiche Breiten noch niedriger, als im östlichen Europa.
Die Erde kann nie eine niedrigere Temperatur annehmen, alsdie, welche im Welträume vorhanden ist. In den langen Nächtender Polar-Rcgionen muß aber die Temperatur des Weltraums tiefin die Erdatmosphäre eindringen. Aus diesen Gründen darf mandem Welträume eine Temperatur von beiläufig 40° unter Nullzuschreiben. Es folgt hieraus, daß die Luft um so kälter sein muß,je weiter sie von der wärmern Erde absteht, und je näher sie alsoan den kältcrn Weltraum grenzt. Dazu kommt noch, daß die Lustmit den wachsenden Höhen dünner, folglich durchsichtiger wird, unddarum von den Sonnenstrahlen weniger erwärmt werden kann, alsdie dichtere Luft. Denn das Licht erwärmt nur insoweit, als esobsorbirt wird, und aushört Licht zu sein. Man kann im Mittelannehmen, daß von der Erdfläche an das Thermometer mit jeden600' Erhebung um 1 Grad fällt.
Nimmt man darauf Rücksicht, daß Quellwasser oft von hohenBergen herab kommen, und daß die meteorischen Niederschläge zueiner Zeit niederfallen, wo die Temperaturen für den betreffendenOrt am niedrigsten stehen; so weisen die Beobachtungen unter allenHimmelsstrichen nach, daß das Qucllwasser eine höhere Tempera-tur aus der Erde mitbringt, als es dahin mitgenommen hat, daßes also in der Erde erwärmt wird. Diese Erwärmung ist unterdem Aequator kaum merklich. In unfern Gegenden "beträgt sie,nach eignen und fremden Beobachtungen, durchschnittlich mehr alsl Grad. In nördlichen Breiten ist sie noch beträchtlicher. Aufden Höhen und in denjenigen Gegenden, wo ewiger Schnee liegt,schmilzt dieser Schnee und das Glätschereis an der Erde fortwährend,so daß hin die größten Ströme ihren Ursprung nehmen. Je größerdie Tiefe ist, aus welcher die Quellen entspringen, desto höher stehtihre Temperatur über der Lufttemperatur. Die Quellen, welcheaus großer Tiefe kommen, ändern sich nur wenig in der Quantität