Qua
der Tritünus genennt wird, kommtunten an seinem Ort ein besondererArtikel vor; sie ist emc Dissonanz,die man gar nickt mehr zur Quartereckncn kann. Die eigentliche wahreQuarte kann in ihren Verhältnissensich nicht weit von g Viertel entfer-nen. 'Hieraus laßt sich schon ab-nehmen, daß die Quarte ein ange-nehm consonirendes Intervall, unddas nächste an Annehmlichkeit nachder Quinte sey. Dafür ist sie auchvon den Alten, ohne Ausnahme,immer gehalten worden.
Hingegen findet man, daß die be-sten neuem Harmonisicn, sie meisten-thcils als eine Dissonanz behandeln,und eben den vorsichtigen Regeln derVorbereitung und Auflösung unter-werfen, als die unzweifelhaftestenDissonanzen. Da es aber doch auchFalle gicbt, wo Quarten ganzlichwie Cousonanzen behandelt werden,so ist daher unter den Tonlehrcrn,die die wahren Gründe dieses an-scheinende» Widerspruchs nicht einzu-sehen vermochten, ein gewaltigerKrieg über die Frage entstanden, obdieses Intervall müsse den Consonan-zcn oder Dissonanzen zugezahlt wer-den. Und dieser Streit ist bei) vielen bisauf diese Stunde nicht entschieden.
Und doch scheinet dieAuflösung die-ses paradoxen Satzes, daß die Quar-te bald confonircnd, balddissonirendsc», eben nicht sehr schwer. Allealtere Tonlehrcr sagen, die Quarteconsonire, wenn sie aus der har-monischen Theilung der Octave ent-stehe, und dissonire, wenn sie ausder arithmetischen entstehe. Andredrükcn dieses so aus: die Quarte dis-sonire gegen die Tonics, hingegenconsonire die Quarte, deren Funda-ment die Dominante der Tonica sey.Beyde Arten des Ausdruks sagen ge-rade nicht mehr, und nicht weniger,als wenn man sagte, dieser Accord
Qua 74?
17' H klinge gut, und folgender
klinge nicht gut. Die--—fts empfindet jedes Ohr.
In beydcn Accorden liegt eine Octa-ve, eine Quinte und eine Quarte,wie der Augenschein zeiget. Aber imersten empfindet man die Quinte inder Tiefe gegen den Grundton, unddicQuarte in derHöhe gegen dieDo-minantc dcs Grundtoncs; im andernhingegen liegt die Quarte unten, undklinget gegen den Grundton, dieQuinte oben, und klinget gegen dieUnterdominante, oder die Quartedes Grundcones. Hieraus nun laßtsich das Rathsel leicht auflösen.
Man gesteht, daß im ersten Accordalles confonircnd ist. Nun lasseman den untersten Ton weg, so hö-ret man eine reine und wol consoni-rende Quarte. Im andern Accordlasse man den obersten Ton weg, sohöret man gerade dasselbe Intervall,als im ersten Accord, von dem derunterste Ton weggelassen worden,nur mit dem Unterschied, daß itztbeyde Töne tiefer sind. Ob man aberein Intervall hoch oder tief im Sy-stem nehme, dieses ändert seine con-sonircnde oder dissonireude Natur,nach aller Menschen Gestandniß,nicht. Hieraus ist also offenbar, daßzwcy Töne, die um eine reine Quartevon einander abstehen, für sich allein,ohne Rüksicht auf einen dritten, be-trachtet, würklich consoniren. Dem-nach ist das Intervall der Quarte,an sich betrachtet, unstreitig eineConsonanz, und sie ist es noch mehr,als die große Terz.
Warum dissonirt aber der zweytevon den angezeigten Accorden, beson-ders wenn noch in dem Contrabaßauch L angeschlagen würde? Darum,weil ihm die Quinte fehlet, an derenStelle man eine weniger vollkomme-ne