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Zn den Künsten der Rede scheinet«ine Pracht statt zu haben, die nichtblos ans der Größe und dem Reich-thum des Inhalts entsteht, son-dern auch von der Schreibart, oderder Art, die Sachen vorzutragen,herkommt. Prachtige Gegenständekönnen gemein und armselig beschrie-ben werden. Die Pracht hat immeretwas feyerlich vcranstaltctes: undes scheinet, daß ohne einen wol pe-riodirten und volltönenden Vortrag,einen hohen Ton, vergrößerndeWorte, keine Rede prachtig seynkönne. Vornehmlich aber tragt dieFeyerlichkcit des Tones, und der Ge-brauch solcher Verbindungs - undBeziehungswörter, wodurch die Auf-merksamkeit immer aufs neue gereiztwird, das meiste zur Pracht bei).Alst-, sagt er Iyt erhebt ersich — Nun beginnt das Getüm-mel — u. d. gl.
Außerdem bekommt die RedePracht, wenn die Hauptgegcnstände,von denen die Größe herrühret, erstjeder besonders mit einigem Ge-pränge vors Gesicht gebracht wor-den, ehe man uns die vereinigteWürkung davon sehen laßt. So istHomers Erzählung von dem Streitdes Diomedes gegen die Söhne desDares im Anfange des ztcn Buchsder Ilias. Ein gemeiner Erzählerwürde ohngefehr so angefangen ha-ben. „Darauf trat Diomedes vollMuch und mit glanzenden Waffengegen die Söhne des Dares heraus:sie auf Wagen, er zu Fuße" u. f. f.Aber der Dichter, um die Erzäh-lung prächtig zu machen, und unsZeit zu lassen, die Helden, ehe derStreit angeht, recht ins Gesicht zufassen, und uns in große Erwar-tung zu setzen, beschreibet erst um-ständlich und mit merklicher Ver-anstaltung den Diomedes. „Aberdein Diomedes, des Tydeus Sohn,gab igt Pallas Athene Kühnheitund Much" u. f. w. Nachdem wir
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diesen Helden wol ins Auge ge-faßt haben, und seincthalben ingroße Erwartung gesetzt worden,läßt er nun seine Gegner ebenfallsfeyerlich auftreten. «Aber unter denTrojanern war ein gewisser Da-res — Dieser hatte zwey Söhne"u. s. w.
Von dieser Pracht in dem Vor-trag ist die, welche in der Materieselbst liegt, verschieden. Der In-halt der Rede bekommt seine Prachtvon der Größe und dem Reichthuinder Dinge, die man uns vorstellt,und darin übertreffen die redendenKünste die übrigen alle. WelcherMahler würde sich unterstehen, ineinem Gemählde auch nur von wei-tem die unendliche Pracht der großenund reichen Scenen in der Meßiadenachzuahmen? Denn alles Große,das der Verstand und die Einbil-dungskraft nur fassen mögen, kanndurch die Rede in ein Gemählde ver-einiget werden.
Die unmittelbaresie Würkung derPracht ist Ehrfurcht, Bewunderungund Erstaunen. Die schönen Künstebedienen sich ihrer mit großem Vor-theil, um die Gemüther der Men-schen mit diesen Empfindungen zuerfüllen. Bey wichtigen, politi-schen und goktesdicnstlichen Feyer-lichkeiten ist die Pracht nothwcndig;weil es wichtig ist, daß das Volknie ohne Ehrfurcht und Vergnügenan die Gegenstände gedenke, wo-durch jene Feycrlichkciten veranlas-set werden. Da aber der Eindruk,den die Pracht bcwürket, wenigüberlegendes hat: so ist es freylichmit der bloßen Pracht nicht allemalgcthan. Pracht in den Worten,ohne wahre Größe des Inhalts,ist, was Horaz kuwum ex tul^oronennt. Wenn man bey feycrlichcnAnlässen gewisse bestimmte und znbeionderm Endzwck abzielende Vor-stellungen zu erweken sucht: so mußman mit der Pracht dasjenige zu
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