Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
666
Einzelbild herunterladen
 

ohne Schaden des übrigen kemThcilweggenommen werden können. Diedeutsche Sprache leidet nicht immer,daß solche Zwischensätze mit demübrigen in eine nochwcndigc Verbin-dung gebracht werden. Doch hättedieses in dem angefüyrtcnFalle gesche-hen können, wenn indem Satz anstattdes Artikels der große Urheberdas Beziehungswort jener, wäre ge-braucht worden, wie wenn man inder lateinischen Sprache sagte: ///sDniverii »uälor yni. Aber dasWort jener hat Nicht allemal diesenothwendlgc Beziehung:

Die Periode kann ans mehr oderweniger einzelen Sätzen bestehen ; sieist aber in Ansehung, der Länge auseiner doppelten Ursach eingeschränkt.Erstlich wegen der Stimme des Red-ners, der jede Periode eben deswe-gen, weil sie ein Ganzes ausmacht,nicht eben in einem Arhem, aber ineiner einzigen Clause!, das ist, insolcher Einheit des Tones vortragenmuß, der auch dem, der die Sprachenicht verstünde, die Periode als eineinziges Ganzes ankündigte. DieStimme inuß nach Beschaffenheitder Periode durchaus steigend, oderfallend, oder unter beydcn einmal ab-wechselnd seyn *). Nun kann wederdas Steigen der Stimme noch dasFallen zu lang hinter einander fort-gesetzt werden, und daher hat diesteigende, wie die fallende Periodeeine Lange, deren Grunzen man nichtüberschreiten kann, ohne die Einheitdes Tones zu verletzen. Cicero, dergrößte Meister in der Kunst der Pe-rioden ,' schränkt ihre größte Langeauf das Maaß von etwa vier Hexa-metern ein Zwcytens schränketauch die Deutlichkeit des Sinnes dieLange der Perioden ein; denn da sienur. einen einzigen Hauptgedanken

S. Vortrag.

Li guilluur igiknr guali dexaNkerro.,-^m ii ttar verMum gv»xl sir, conllsct'cie eamxrellealio. Orac. 66.

begreift, einen einzigen Sinn giebt,der erst am Ende vollständig wird,so muß man nothwcndig jeden ein.zelcn Satz so unbestimmt, wie er ist,bis ans Ende behalten können, woalles Einzele sich zu einer einzigenVorstellung vereiniget.

Die Periode ist einförmig, wennsie einen einzigen Satz enthält, zudem alles Euizelc, als Theile gehö-ren ; zwey - oder vielformig aber,wenn sie mehr bestimmte Sätze ent-hakt, die blos willkühriich, oderdurch keine nothwendige Verbindungin Eines gezogen sind. Die gleichAnfangs dieses Artikels angeführtePeriode ist einförmig. Folgende Artist zweyformig.Die Werke derKunst sind in ihrem Ursprünge, wiedie schousten.Menschcn, ungestalt ge-wesen und in ihrer Blüthe und Ab-nahme gleichen sie den großen Flüßen,die, wo sie am breitesten seyn sollten,sich in kleine Bäche, oder auch ganzund gar verlieren." Sie besteht auszwey willkührlich zusammengezoge-nen Perioden.

Alles, was bis dahin über diePeriode gesagt worden, geHort eigent-lich zu ihrer grammatischen Beschaf-fenheit; deswegen die verschiedene»Punkte hier blos berührt sind. Jtztist es Zeit, die Sache von der Seitedes Geschmaks zu betrachten.

Hier muß man zuerst ihre Würkungvor Augen haben, die überhaupt dar-in besteht, daß dadurch viele Vorstel-lungen oder Urtheile in Eines verbun-den werden, mithin auf Eines ab-zielen, und eine desto größere oderschnellere Würkung hervorbringen.Die Rede hat allemal entweder dieSchilderung einer Sache, oder dieFestsetzung eines Urtheils zum Zwek.Im ersten Fall ist sie ein würküchcsGemahldc, darin alles auf eine ein-zige Hauptvorstellung übereinstimmt,wo alles so gezeichnet, so colorirtund so angeordnet seyn muß, wieder lebhafteste Eindrnk des Ganzen

es