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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
622
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dem Haupttheile, als, blos aus demFuß der Säule, oder aus dem Un-tcrbalkcn, aus dein Fries, oder ausdem Kranz, dieOrdnung ebenso gut,als aus dem Knauff erkennen könnte?Ein Baumeister von Geschmak wür-de, des genauer bestimmten Cha-rakters jeder Ordnung ungeachtet,allemal Mittel genug finden, einer-lei) Ordnung dennoch mannichfaltigzu behandeln.

Es ist vielfaltig darüber gestrittenworden, ob es angehe, oder nicht,neue Säulenordnungen in die Bau-kunst einzuführen. Verschiedene Bau-meister haben es würklich versucht;aber keiner ist so glüklich gewesen,daß seine neue Ordnung nur in sei-nem Lande, vielweniger von andernLandern der Zahl der gangbaren Ord-nungen wäre einverleibet worden.Sollte denn eben dieAnzahl undBe-schaffenheit der bekannten fünf Ord-nungen in der Natur des Geschmaksgegründet seyn?

Daß zwischen der höchsten Einfaltmit Regelmäßigkeit verbunden, undzwischen der höchsten Schönheit einerOrdnung viel merkliche Grade desSchönen liegen, darf nicht bewiesenwerden. Wer wird sich getrauen zubeweisen, daß blos drey, oder vier,oder fünf solche Grade merklich genugsind, um sie als Stufen zu brauchen,vom niedrigsten auf den höchsten zukommen? Oder wer wird sich ge-trauen, den Beweis zu führen, daßdie höchste Stufe des zierlich Schö-ncn allein in dem Charakter der co-rinthischen Säule zu finden sey?

Wir halten also dafür, daß manzwar einige wenige Hauptcharaktcreder Ordnungen festsetze; daß dieseCharaktere durch etwas Bestimmtes,das sich allemal dabei) finden muß,angezeigt werden; daß die besondereArt aber, dieses Charakteristische zuerreichen, dem besondcrn Geschmakeines jeden Baumeisters zu überlastensey. Ob man denn seiner Art einen

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besondern Namen geben soll, odernicht, ist eine gleichgültige Sache.Die griechischen Baumeister wähltenfür das Laubwerk des corinthischcnKnauffs Acanthusblätter, die in derThat eine große Schönheit haben.GesetzteinBaumeister in Syrien oderPalästina hätte dafür die Blätter derPalmen gewählt: wurde er darumzu tadeln seyn? Man gebe nun sei-ner Ordnung den Namen der orien-talischen, oder man gebe ihr keinenNamen, dieses wird gleichgültig seyn.So hat unser Glüwv in dem Kö-niglichen Schlosse zu Berlin Säulenund Gebälke von großer Schönheitangebracht, die sich von jeder der al-tenOrdiniiigcn merklich unterscheiden.Man nenne sie die Preußische Ord-nung, oder gebe ihr gar keinen Na-men, genug, daß sie noch immer denHuuptcharakter der jonischen Ord-nung tragt, und dadurch ihren be-stimmten Rang in der AbstufungchesSchönen bekommt. Man könnte,ohne aus dem Charakter der dorischenOrdnung herauszutreten, an denBalkenköpfen des dorischen Friesesanstatt der Triglyphen; einer sehrgleichgültigen Zierrath, anderes sehreinfaches Schniywerk anbringen, undjedem von Vorurthcilcn eingenomme-nen Liebhaber dadurch gefallen. Mangebe nun einer solchen Ordnung einenandern Namen, wenn man will: siebleibet immer dem Charakter nach imzwcytenGrad. Sturm, dcrHcrans-geber dcsGoldmannischcnWerks überdie Baukunst, hat eine sechste Ord-nung für deutsche Palaste vorgeschla-gen, die er die deutsche Ordnungnennt. Sic ist etwas schwerfällig,und hat kein Glükgemacht. Das che«maligeGrapoudorsische,itztDcrcnd!i-sclw große Haus am Dönhofschc»Platz in Berlin ist darnach gebaut.

Die Goldmannischen Verhältnisseder Hanptthcile der fünf Ordnungensind aus den beyden hier folgendenTabellen zu sehen.

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