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genstand gerühret; seine ganze Seele,v>!o davon entflammet; er fühletsiel, so voll von Empfindungen undBetrachtungen, daß er durch Gesang,Tanz, Nede, oder durch andere Mit-tel die Fülle seiner Empfindungen anden Tag leget. Dabei) scheinet alsokeine Wahl, kein Nachdenken überdas, was nolhwendig, oder zufalligiss, satt zu haben.
Aber in sofern die Werke des Ge-schmaks nicht blos natürliche Aeuße-rungen, sondern Werke der Kunstsind, hat allerdings Uebcrlegung da-bei) ftact; und schon der Name derschonen Künste zeiget an, daß manihre Werke nicht blos fürWürkungendes Naturells, nicht für bloße Er-gießungen des empfindungsvollcnHerzens halte, ob sie es gleich in ih-rem Ursprung sind, und zum Theilauch in ihrer Verfeinerung noch seynmüssen. Die Werke der bloßen Em-pfindung werden nicht eher für Wer-ke der schonen Kunst gehalten, alsnachdem das, was die Empfindungeingiebt, durch die Uebcrlegung auseinen Zwck gerichtet, und unter denDingen, die Empfindung und Phan-tasie an die Hand gegeben haben,eine Wahl getroffen worden.
Darum hat auch jedes Werk derschonen Künste wesentliche oder noth-wendigc, und auch zufallige Theile.Von jenen hangt eigentlich die Voll-kommenheit ab, von diesen dieSchönheit, Annehmlichkeit, und an-dere mehr öder weniger wichtige Ei-genschaften desselben. Deswegen mußder vollkommene Künstler ein Manuvon Verstand und Uebcrlegung styn,der das Nothwcndige seuies Werksdurch ein richtiges Urthcil erkennet.Wo etwas von dem Nothwcndigensehler, da ist das Werk im Gänzenmangelhaft, wie schön oder ange-nehm es auch sonst im übrigen sepnmag : es gleichet einer Uhr, die bei)aller Zierlichkeit unrichtig geht. Jemehr gute Nebendinge zusammen»
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kommen , um ein Werk, dem es amWesentlichen fehlet, angenehm zumachen, je mehr ist der Mangel desNothwendigen zu bcdauren.
Beh Erfindung und Anordnungder Theile muß der Künstler genaudas Nothwcndige von dem Zufälligenunterscheiden. Auf jenes muß er zu-erst sehen! und wenn er 'alles gethanhat, was dazu gehöret, dann kanner aufdas Zufallige denken. So ver-fuhr Raphael bei) Erfindung und An-ordnung seiner Gemahlde, wie wiranderswo durch das, was Mengsvon ihm angemerkt, gezciget haben*).Wir haben schon anderswo ange-merkt, daß die Erfindung auch inWerken des Geschmaks durch Er-kenntniß der Mittel, die zum vorge-setzten Zwck führen, bewürkt werde,und daß dieses allemal ein Werk desVerstandes sei). Die reichste undlebhafteste Einbildungskraft alleinreicht zum vollkommenen Künstlernicht hin; denn das Nothwcndigewird nur vom Verstand erkennt. Bei)dein Ueberflnß an Schönheiten, dievon der Phantasie und der Empfin-dung abhängen, kann ein Werk, bc>)dein das Nothwcndige nicht genug-sam überlegt worden, sehr großeFehler haben. Alsdenn gleicht esschönen Trümmern, wo man einzcleTheile von fürtrcfflicher Schönheitantrifft, von denen man aber nichtrecht weiß, wozu sie gedient haben.
Man hat aber nicht nur bey derErfindung der Theile dcsWcrks, son-dern auch bei) Darstellung oder demAusdruk. und der Bearbeitung des-selben, das Nothwcndige vor Au-gen zu haben. Der Redner muß die-ses zuerst thun, indem er die Gedan-ken erfindet und ordnet, die zumZwek führen; hrrnach muß er auchwieder so verfahren, wenn er aufden Ausdruk denk-, wobei) der ge-naue
*) S. Änvrdming i Th. S. i;-. auchGemchld U TH. S. zq6 f.