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da, wo es auf die bloße Belustigungankommt, ist es nicht selten ange-nehmer, einen bekannten Gegenstand!n einem ganz neuen Lichte zu sehen,als einen völlig neuen vor sich zu fin-den. Die unmäßige Lust zum Neuenentsteht oft blos aus Leichtsinn. Somüssen Kinder immer nene Gegen-stände des Zeitvertreibes haben, weilsie nicht im Stande sind, die vorhan-denen zu nützen. Wer taglich einneues Buch zum Lesen nöthig hat,der weiß nicht zu lesen, und dasNeue nützet ihm so wenig, als dasAlte. Es kommt also bei) Werkendes Gcschmaks nicht darauf an, wieneu, sondern wie kraftig, wie ein-dringend ein Gegenstand sey; weildas Neue nicht der Zwck, sondernnur eines der Mittel ist.
Man kann sehr bekannte Sachendortragen, und dennoch viel damitausrichten, wenn sie nur mit neuerKraft gesagt werden. Aber bekannteDinge auf eine gemeine und alltag-liche Weise vortragen, tödtet alleWürkung, und ist gerade das, wasdem unmittelbaren Zwek der schönenKünste am meisten entgegen ist, unddavor der Künstler sich am meisten imAcht zu nehmen hat. In diesen Feh-lerfallen alle blinde Nachahmer undAnHanger der Mode. Taglich stehetman, daß die wichtigsten Wahrhei-ten der Religion und der Moral, oh-ne den geringsten Eindruk wiederholtwerde»; weil man sie in so sehr ge-wöhnlichen Worten und in so sehr ab-genutzten Wendungen vortragt, daßder Zuhörer dabei) gar nichts mehrdenkt. Man hat es von der Meta-pher angemerkt, daß sie, so fürtreff-kich sie an sich selbst ist, ihre Kraftsöllig verlieret, wenn sie zu gelaufigworden ist; weil man sie alsdenn nurals einen eigentlichen Ausdruk be-trachtet. So geht es aber jedemWorte und jedem Gedanken: sobaldman ihrer zu sehr gewohnr ist, giebtman sich die Mühe nicht, mehr, die
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nöthig ist, um etwas dabey zu den-ken. Man bleibet bey dem Tone ste-hen, und giebt nicht auf das Ach-tung, was man dabey empfindensollte, weil man voraussetzet, daßman es empfinde. Darum ist esschlechterdings nöthig, daß in einemWerke der Kunst jeder Theil, wenig-stens von irgend einer Seite her, et-was Neues, die Aufmerksamkeit rei-zendes, an sich habe.
Ohne Zweifel entstehet aus dieserNothwendigkeit das .Uebel, daß dieschönen Künste, wenn sie eine Zeit-lang im höchsten Flori gestanden, baldhernach ausarten. Es scheinet, daßdas Genie sich erschöpfe, und daßdas mit gutem Gcschmak verbundeneNeue seine Schranken habe. Daherfallen denn die Nachfolger der größ-ten Meister, um neu zu seyn» aufWendungen, die zu sehr gekünsteltsind, und dadurch wird der Gcschmakallmahlig verdorben. Man hat sichdeswegen wol in Acht zu nehmen,daß man nicht auf Abwege gerathe,indem man sucht neu zu seyn.
Das Verdienst, oft etwas Neuesvorzustellen, oder das Gewöhnlichevon einer neuen Seite zu zeigen, kön-nen nur die Köpfe sich erwerben, diesich angewöhnt haben, in allen Din-gen mit eigenen Augen zusehen, nacheigenen Grundsätzen und Empfin-dungen zu urtheilen. Jeder Menschhat seine Art zu sehen, aber nicht je-der getraut sich selbst zu urtheilen.Mancher sieht auf das, was bereitsBeyfall gefunden hat, und sucht ihmso nahe zu kommen, als möglich ist.Dieses ist aber nicht der Weg neuund Original zu seyn. Es scheinet,daß diese Furcht sich so zu zeigen, wieman ist, in Deutschland sehr viel guteKöpfe schwache. Mancher ist weitsorgfaltiger, sein Werk dem vorge-setzten Muster ahnlich, als nach fei-ner Empfindung gut zu machen.
Ein rechter Künstler muß sich'solang im Denken, Empfinde» und
Beur-