Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
370
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Melismatisch»

(Musik.)

Bedeutet eigentlich das, was zurAuszierung des Gesanges geHort, be-sonders die Verzierungen, welche denNamen der Manieren durch Diminu-tioncn bekommen haben, da einTon in viele kleinere, oder schnellerecingctheilt wird, die zusammen dieDauer des Haupttones haben, abereine angenehme Wendung machen.Dieses find also melismatische Äus-serungen.

In besondrem Sinne nennt mangewisse sehr einfache und leicht zufassende Melodien, die jedermanngleich behält und nachsingen kann,und die sich zu Gassenliedern schiken,melismatische Gesänge. Man hatdergleichen italiänische Lieder, beson-ders solche, die aus Venedig kom-men , und von den dortigen Gondo-licrrudcrern gesungen werden, diesehr angenehm sind. Man sagt,daß auch große Tonsetzer bisweilenin ernsthaften Opern, dem gemeinenVolk in Italien zu gefallen, Arienin dieser mclismatischen Schreibartsetzen.

Melodik

(Musik.)

Tic Folge der Tone, die den Ge-sang eines Tonsiüks ausmachen, insofern er von der ihn begleitendenHarmonie unterschieden ist. Sic istdas Wesentliche des Tonstüksz diebegleitenden Stimmen dienen ihrblos zur Unterstützung. Die Musikhat den Gesang, als ihr sigentli,chcs Werk, zu ihrem Ziel, undalle Künste der Harmonie habenblos den schonen Gesang zum letz-ten Endzwek. Darum ist es eineeitelc Frage, ob in einem Tonstükdie Melodie, oder die Harmonie dasvornehmste ftp? Ohne Zweifel ist

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das Mittes dem Endzwek unterge-ordnet.

Wichtiger ist es für den Tonsetzer,daß er die wesentlichen Eigenschaf-ten einer guten Melodie beständigvor Augen habe, und den Mitteln,wodurch sie zu erreichen sind, in sofern sie von der Kunst abhängen,fleißig nachdenke. Da dieses Werknicht blos für den Künstler, son-dern vornehmlich für den philoso.phischcn Liebhaber geschrieben ist,der sich nicht begnügt zu fühlen,was für Eigenschaften jedes Werkder Kunst in seiner Art habenmüsse, sondern die Gründe der Sa-chen, so weit es möglich ist siez»erkennen, wissen will: so ist nölhig,daß wir hier die verschiedenen Ei-genschaften des Gesanges, oderdie Melodie aus ihrem Wesen her-leiten.

Es ist bereits in einem andern Ar.tikcl *) gezeiget worden, und wird inder Folge noch deutlicher entwikcltwerden **), wie der Gesang aus derFülle einer angenehmen leidenschaft-lichen Empfindung, der man mit Lustnachhängt, entstehet. Der natür-liche, unüberlegte und: ungekünstelteGesang ist eine Folge leidenschaftli-cher Tone, deren jeder für sich schondas Gepräge der Empfindung, dieihn hervorbringet, hat. Die Kunstahmet diese Acußernng der Leiden-schaft auch durch Tone nach, die ein-zeln völlig gleichgültig sind, undnichts von Empfindung anzeigen.Es wird Niemand sagen tonnen, daßer bei) Anschlagnng eines cinzclen To-nes der Orgel, oder des Clavieresetwas Leidenschaftliches empfinde;und doch kann aus solchen unbedeu-tenden Tonen ein das Herz stark an-greifender Gesang zusammengesetztwerden. Es ist wol einer Untersu-chung Werth, wie dieses zugehe.

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*) S. Gesang.

*») S. Musik.