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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
367
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Zierrathen der Baukunst, ihren Ur-sprung in der Nachahmung einer al-ten Gewohnheit. Man findet näm-lich , daß bey verschiedenen barbari-schen Volkern, wie bey den altenGalliern, diejenigen, welche einenFeind in der Schiacht erlegt, dessenKopf hernach oben an ihren Haus-thüren, als ein Siegeszeichen ange-nagelt haben. Wie also die Schä-del der Opftrthiere in den dorischenFries aufgenommen worden *), sosind auch die Masken entstanden,und auf eine ganz ahnliche Weise dieTrophäen von eroberten und an denHäusern der Eroberer aufgehängtenWaffen.

Es ist angenehm zu sehen, wiedas menschliche Genie zu allen Zei-ten und in allen Ländern sich aufeine ähnliche Weise äußert. Alle we-sentlichen Zicrrathen der griechischenBaukunst sind aus Nachahmung ge-wisser, bey den noch rohen Hütten,die älter als die schone Baukunstsind, natürlicher Weise vorhande-ncnTheile, entstanden**). Ich habein nordischen Seestädten eine gothi-sche Zierrath an alten, nach dama- -ligcr Art prächtigen Gebäuden ge-sehen, die gerade auf eine ähnlicheWeise entstanden ist. Die Gebäudesind von gehauenen Sandsteinen auf-geführt, an der Mauer unter denFenstern sind diese Steine sehr sau-ber so ausgchaucn, daß sie einen vonWeiden geflochtenen Zaun vorstellen.Ohne> Zweifel haben die nordischenVolker ihre Hütten ehedem so gebaut,daß sie den offenen Raum zwischenden dazu aufgerichteten Pfeilern miteinem Zaungeflcchte von Weiden aus-füllten. Also hat der longobardi-sche, oder wendische Baumeister sei-ne Zierrathen gerade auf die Art er-funden, wie der griechische die sei-migen. Ich kann noch ein anderesBeyspicl anführen. Es ist an vie-

*) S. Dorisch.

»*) S. Gebälke.

Mas z6?

len Orten, wo der Gefchmak derBauart eben noch nicht verfeinertworden ist, gebräuchlich, die Thü-ren mit zwey ins Kreuz über einan-der gestellten Baustämmen, an de«ncn noch etwas von den abgehaue-nen Aestcn sitzet, zu bemahlen.Eine offenbare Nachahmung der anvielen Orten auf dem Lande nochvorhandenen Gewohnheit, die Ein-gange in Gebäude mit zwey solchenBäumen zu versperren, damit da-durch wenigstens das größere Bichvom Eingang abgehalten werde.

Uebrigcns verdienen hier die Mas-ken, welche an dem BerlinischenZeughause über die Fenster an deminnern Hofe dieses prächtigen und inder That schönen Gebäudes ange-bracht sind, einer besonder» Erwäh-nung. Sic sind alle nach Modellendes großen und doch wenig berühm-ten Schlüters *) gearbeitet,, und stel-len in der Schlacht sterbende Gcsich-tcr mit solchem Leben und solcherMannichfaltigkcit des leidenschaft-lichen Ausdrnks vor, daß jederKenner in Bewunderung derselbengesetzt wird. Der sehr schätzbareBerlinische Historienmahlcr RohSehat sie in Kupfer geätzt herausge-geben **).

Massen.'

*) Dieser fürtrcfflichc Künstler verdienetnclhcr bckaiun zu scyn. Er war eineben so großer Baumeister, als Bild-hauer in Diensten König Friedrich dcSErsten in Preußen. In Berlin sind,außer dem Königlichen Schlosse undeinigen andern Gebäuden von seinerErfindung, noch fürtrcfflichc Werkedes Meißels vorhanden, davon schonviele vom Herrn Rodde geätzt worden.Unter andern sind die bcvdcn in derBerlinischen Schloß - undÄohmkirchestehenden Särge Friedrichs des Erstenund seiner z>ve»tcn Gemahlin, Denk-male von großer Schönheit, diekein Kenner ohne Bemundrung undkein Künstler ohne Nuncn betrachtenwird.

**) Sie sind mit einem kurzen Vorbc,»icht tiMer dem Titel d.,>karven, nach

den