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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
300
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liche Natur hervorleuchtet *). Inder That lernt man das menschlicheGemüch in seinen verborgensten Win-keln daraus kennen. Dieses ist dasWesentliche von dem inncrn Charak-ter dieser Galtung. Doch könnenwir auch noch zum innerlichen Cha-rakter die Eigenschaft hinzufügen,dast der lyrische Ton durchaus cm-pfindungsvoll sey, und jede Vorstel-lung entweder durch diesen Ton, oderdurch eine andre ästhetische Kraftmüsse erhöhet werden, damit durchdas ganze Gedicht die Empfindungnirgend erlösche. Nichts ist lang-weiliger, als eine Öde, darin eineMenge zwar guter, aber in einemgemeinen Ton vorgetragener Gedan-ken vorkommt. Daß der besondersleidenschaftliche Ton bey dem lyri-schen Gedicht eine wesentliche Eigen-schaft ausmache, sieht man am deut-lichsten daraus, daß die schönste Odein einer wörtlichen Ucbcrsetzung, wodieser Ton fehlet, alle ihre Kraft völ-lig verliert.

Hieraus ist auch die äußerlicheForm des lyrischen Gedichtes entstan-den. Da lebhafte Empfindungenimmer vorübergehend sind, und folg-lich nicht sehr lange dauern, so sinddie lyrischen Gedichte nie von be-trächtlicher Lange. Doch schikct sichauch die völlige Kürze des Sinnge-dichtes nicht dafür; weil der Menschnatürlicher Weise bcy der Empfin-dung, die ihm selbst gefallt, sich ver-weilet, luni entweder ihren Gegen-stand von mehrern Seiten, oder ineiner gewissen Ausführlichkeit zu be-trachten; oder weil das ins Feuergesetzte Gemüth sich allemal mit sei-ner Empfindung selbst eine ZeitlangHesel,afftiget, ehe es sich wieder inRuhe setzet.

5) > compcnimenci lirici kono nrr-mi<Zi rx»!».'! »fteni. collumi, vircü,vi?j, zen e ovveio kono spec-cllj, äs per vsrj ritlelll rrslucel'um^ns Xslur». Prione pveiica.I.>d. I, c. I Z,

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Natürlicher Weise sollte das lyri.sche Gedicht wolklingendcr und zumGesang mehr einladend seyn, als je-de andre Art, auch periodisch immerwiederkommende Abschnitte, oderStrophen haben, die weder allzulang,und für das Ohr unfaßlich, noch all.zukurz, und durch das zu schnelleWiederkommen langweilig werden.So sind auch in der That die meistenlyrischen Gedichte der Alten. Aberder eigentliche Hymnus der Griechen,der in Hexametern ohne Strophenist, geht davon ab. Auch ist in derThat die Empfindung darin von derruhigcrn, mit stiller Bewundnmgverbundenen Art, für welche derHexameter nicht unschiklich ist.

Diese Gattung der Gedichte darfin Ansehung der Wichtigkeit und desNutzens keiner weichen. Hierüberverdienet das ganze Capitel des Gra.vina, aus dem so eben eine Stelleangeführt worden, gelesen zu wer-den; denn dieser fürtrcffliche Mannhat die lyrische Dichtkunst in ihremwahren Gesichtspunkt betrachtet,und als ein Philosoph und Kennerder Menschen davon geurtheilet.Von der Wichtigkeit des Liedes istim Artikel desselben besonders gespro-chen worden, und im Artikel Goe,wird diese Art in Absicht auf ihrenNutzen bcurthcilet. Hier merkenwir nur überhaupt an, daß die lyri-sche Dichtkunst die Gedanken, Ge-sinnungen und Empfindungen, wel-che wir in andern Dichrungsarlen,in ihren Würkungen, und meisten-theils nur überhaupt, und wie vonweitem sehen, in der Nahe, in ih-ren gehcimesten Wendungen, aufdas lebhafteste schildere, und daß wirsie dadurch auf das deutlichste inuns selbst empfinden, so daß jedegute und heilsame Regung auf einedauerhafte Weise dadurch erwckt wer-den kann.

Die Griechen hatten ungemeinvielcrley Arten des lyrischen Gedick-tes,