weder auf diesen, noch auf den lan-ge», sollen sie die Deutlichkeit derAussprache verdunkeln. Denn dasZied muß auch im Singen von demZuhörer in jedem einzeln Worte ver-ständlich bleiben. Jeder verstandigeTonsetzer wirb fühlen, wie schwer esist diesen Fodcrungcn genug zu thun;und doch ist dieses noch nicht alles;denn die genaue Beobachtung desrhythmischen Ebcnmaaßes machtneue Schwierigkeiten, zumal wenndie Strophen kurz sind. Hat derDichter es darin versehen: so kannder Tonsetzcr sich oft nicht andershelfen, als daß er etwa ein Wortwiederholt, um das Ebeumaaß her-auszubringen. Aber wie sehr seltenwird dieses alsdenn für jede Stropheschiklich seyn?
Eine besondere Sorgfalt muß auchauf die gute Wahl des Takts und derBewegung gewendet werden. Diesesmacht den Gesang munter oder ernst-haft, feyerlich oder leicht. Darummüssen beyde dem Inhalt und demTon, den der Dichter gewählt hat,vollkommen angemessen seyn. Jegrößere Bekanntschaft der Tonsetzcrmit allen verschiedenen Tanzmelodicnaller Volker hat, je glüklichcr wirder in diesem Stük seyn. Wenn maneine gute Sammlung solcher Tanzehatte, so würde dasvcrschiedcne Cha-rakteristische, das man in dergleichenStüken, wodurch die Nationalge-sange sich auszeichnen, am leichte-sten bemerkt, dem, der Lieder setzenwill, zu großer Erleichterung dienen.Endlich muß der Setzer auch die Ei-genschaften der Intervalle zum gu-ten Ausdruk aus Erfahrung kennen.Er muß bemerkt haben, daß z. B.die großen Terzen im Aufsteigen et-was fröhliches, die aufsteigendenQuarten etwas lustiges haben; daßdie kleinen Terzen im Aufsteigen zärt-lich, im Heruntersteigen mäßig fröh-lich sind; daß die kleine Secunde auf-steigend etwas klagendes hat, die
großeSecunde absteigend beruhigend,aufsteigend aber mehr beunruhigendist; daß besonders ein Fall der großenSeptime etwas schrckhaftes hat.Je mehr er dergleichen Beobachtun-gen gemacht hat, je gewisser wird erden wahren Ausdruk erreichen.
Es giebt Lieder, die am bestenChoralmäßig gesetzt werden; andremüssen ihren Charakter von demRhythmischen bekommen, und ein-stimmig seyn. Es kommen aberauch solche vor, die wieDuette, oderTerzette müssen behandelt werden.Ferner können gesellschaftliche Lie-der vorkommen , die am bestenFugenmäßig. auch solche, die alsförmliche Canons können behandeltwerden.
Es sind vor einigen Jahren kurzhintereinander verschiedene Samm-lungen deutscher, in Musik gesetzterLieder herausgekommen, darunter dieerste Sammlung auserlesener Odenzum Singen beym Clavicr von demCapellmeistcr Graun*), (denn diezwcyte Sammlung ist nicht von ihm,ob sie gleich seinen Namen führet,)die Oden mit Melodien von HerrnC. P.E. Bacl?*'), die Lieder mit Me-lodien von Hrn. Rirndcrger s), dievorzüglichsten sind. Seitdem dierömischen Opern in unfern Gegendenaufgekommen sind, hat sich auchHerr Hilter in Leipzig als einen Manngezeiget, der eine große Leichtigkeithat angenehme und überaus leichteLicdermclodien zu machen.
Die Alten hatten für jede Gattungdes Lyrischen ihre bcsondcrn Vor-schriften wegen des Satzes, wie auseiner Stelle des Aristives Guinti«lianus erhellet, aus welcher auch zuschließen ist, daß sie zu den Liederndie höhern Töne ihres Systems ge-nommen haben, zu den hohen OdenS 4 die
5) Berlin, Hey Wcvcr 1764-
'") Berlin, bei, Wcver 1762.
f) In demselben Verlag und Jahre.