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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
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sien Gesetze eines Staats in einemSysteme vortrüge. Auch der lehret,der uns von vorhandenen Dingen,deren Beschaffenheit und Zusammen-hang unterrichtet. An diese Art desLehrgedichtes würde sich auch dasblos historische Gedicht anschließen,das eine Reyhe wahrer Begebenhei-ten enthielte. Also scheinet Batreupnicht ganz unrecht zu haben, wenner das blos historische Gedieht auchin diese Gattung setzet.

Wir haben Lehrgedichte, und manerkennet sie einstimmig für solche,darin zusammenhangende Systemespeculatlver Untersuchungen vorge-tragen werden, wie das Gedicht desLukretias von der Natur der Dinge,Hallers Gedicht vom Ursprung desNebels, Popens vom Menschen,Wielands von der Natur der Dinge,und andre mehr; andre tragenThco-ricn von Künsten, oder auch ganzeSysteme praktischer Regeln vor, wor-nach gewisse Geschaffte sollen getrie-ben werden, wie des Hcsiodus Ge-dicht, die Arbeiten und die Tage,Virgils Georgien, Horaz und Bvi.lcau von der Poetik, du Frenoyund andre von der Mahlerkunst;endlich haben wir auch Gedichte, diewolgeordncte und ausführliche Ge-mahlde natürlicher und sittlicher Din-ge enthalten, wie Hallers Alpen,Thomsons Jahrszeitcn, und KleistsFrühling. Auch blos sittliche Schil-derungen des Menschen, oder der all-gemeinen moralischen Natur, sindein Stoff zum Lehrgedicht. Nichtohne Grund konnte man auch solcheGedichte, wie Bodmcrs über denCharakter der deutschen Dichter, undseine Wohlthatcr der Stadt Zürichsind, hiehcr rechnen.

Daß diese Gattung wichtig sey,ist bereits erinnert worden; aber dieSache verdienet eine nähere Betrach-tung. In jeder Art der menschlichenAngelegenheiten, in jedem Stand, je-der gesellschaftlichen Verbindung, ist

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eine lebhafte und sich ans Herz an-schließende Kennmiß gewisser- sich aufdieselbe beziehender Wahrheilen, alle-mal der Grund, wo nicht gar allerguten Handlungen, doch des durch-aus guren und rechtschaffenen Betra-gens. Der Mensch, dessen Herz vonder Natur auf das beste gebilderwor-dcn, kann nicht allemal gur handeln,wenn er blos der Empfindung nach-giebr. Erst durch ein gründlichesSystem praktischer Wahrheiten wirdder Mensch von gutem Herzen zu ei-nem vollkommenen Menschen. Nurdieses stellt ihm jedes besondere Ge-schaffte, und jede Angelegenheit indem wahren Gesichtspunkt vor, derihm ein richtiges Urtheil davon giebt,und seine Entschließungen auf dasrechte Ziel lenket. Es ist das Werkder Philosophie diese Wahrheiten zuentdeken; aber die Dichtkunst alleinkann ihnen auf die beste Weise diewürksame Kraft geben. Was derreine Verstand am deutlichsten be-greift, wird am leichtesten wieder aus-gelöscht, weil es an nichts sinnlichemhängt. Der Dichter ist nicht nurdurchaus sinnlich, sondern sucht un-ter den sinnlichen Gegenständen diekraftigsten aus; an diese hänget erdie Begriffe und Wahrheiten, unddadurch werden sie nicht nur unver-geßlich, sondern auch einnehmend,weil sich die Empfindung einigcrmaas-scn damit vermischt.

Aus ihrem Bildccschatz

Schnullt sie sie reizend aus und nimmt, der Gründe Platz *).

Der lehrende Dichter sucht in demUmfang der uns allezeit gegenwärti-gen sinnlichen Gegenstände die leb-haftesten aus; braucht sie als Spie-gel, darin nnsre Begriffe mit vollerKlarheit abgemahlt sind, und da-durch unsrc Urtheile festgesetzt wer-den. Daher geschiehct es, daß wir

uns

') WiclandS Natur der Oinge »B.