Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
136
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die Dichtkunst auf mancherlei) Weise,vorzüglich in scherzhaften Erzählun-gen und in der Comödic; die Tanz-kunst »nd Musik in römischen Palle-ten; die zeichnenden Künste aufman-chcrlcy Art, am vorzüglichsten aberin historisch-römischen Stükcn.

Soll aber diese Art des Lächerlichenans eine den schonen Künsten anstän-dige Art gebraucht werden, so mußes nicht in das Abgeschmakte, odergrobe Niedrige fallen, sondern mitfeinem Geschmak durchwürzt seyn.Es wird abgeschmaktund albern, sobald es den Schein dcrWürklichkcit,oder die Wahrscheinlichkeit verlieret.Nur der nie denkende Pöbel läßt sichverblenden, daß er grob erdachteUngereimtheiten für würklich hält,und lacht, wenn in schlechten Pos-senspielcn ein Mensch über einen an-dern wegsiolpert, den er gar wolge-sehen hat; oder wenn er sich blindund taub stellt, wo jedermann sieht,daß er es nicht ist; oder weit» je-mand etwas naives sagt, oder thut,wobey jedermann merkt, daß es blospossenhafte Verstellung ist. Unseredemschc Schaubühne hat zwar glük-lich angefangen, sich von solchenPossen, wovon selbst Mokiere nichtrein ist, zu reinigen; aber die römi-schen Opern führen es nicht seltenwieder ein. Um es zu vermeiden,muß der Künstler sich vor dem Uebcr-tricbcnen und Unwahrscheinlichenhüten. Der Carricaturmahler mußdem Menschen die menschliche Phy-sionomie lassen, und sie auf eine ge-schiktc und wahrscheinliche Weise mitder Physionomic eines Schaafs, odereiner Nachtcule verbinden, daß nichtalberne Köpfe, sondern verständigeMenschen die Sache für würklichhalten. Setzet man einen würkli-chcn Katzenkopf auf einen menschli-chen Körper, so ist die Cache blosunsinnig, und nicht mehr lustig.

Will der Dichter oder Mahler unsmit Schilderung solcher Menschen

belustigen, deren Charakter und Sut-ten einen lächerlichen Gegensatz mitden unsrigen machen, so muß er unsnicht völlig alberne und abgeschmak-te Menschen zeigen: diese verachtenwir auf den erste» Bilk; auch keine,an deren Würklichkeit wir gleich zwei,sein: denn diese ziehen unsre Auf-merksamkeit nicht an sich.

Niemand bilde sich ein, daß zudieser Art des Lächerlichen blos eineabcntheuerliehe Phantasie gehöre;ohne fcincnWitz und großen Scharf-sinn wird keiner darin glüklich seyn.Es ist eben so schwer, einen Roman,wie der Gil-Vlaa ist, zu schreiben,als ein Heldengedicht zu machen; unddie Geschichte der Kunst selbst beweist,wie wenig Zeichner sind, die inCarri-caturen das Geistreiche cmes da Vincioder eines-Hogarrbs zu erreichen ver-mocht haben. Würkliche, nicht er-dichtete Achnlichkcit und Contrasizwischen Dingen, wo wir sie nichtwürden gesehen haben, sehen nurMenschen, die scharfsinniger sindals wir, und dadurch setzen sie unsin den zweifelhaften Zustand, und indie Art der Verwundrung, die zumLachen nothwcndig ist. Die Kunstzu scherzen ist so selten, als irgendein anderes Talent, das die Naturnur wenigen giebt.

Wichtiger ist die Anwendung desLächerlichen zur Warnung und Besse-rung der Menschen. Wer Empfin-dung von Ehre hat, dem ist nichtsfürchterlicher, als die Gefahr verach-tet oder gar verspottet zu werden,und es ist kaum eine Leidenschaft,mit der so viel ausgerichtet werdenkann, als mit dieser. Mancher ließesich eher sein Vermögen, oder gardas Leben rauben, als daß er lächer-lich seyn wollte. Hier ist also fürden Künstler Ruhm zu erwerben; erkann die Menschen von jeder Thor-hcit, von jedem Vorurthcil, von je-der bösen Gewohnheit heilen, undjede schädliche Leidenschaft im Zaum

halten,