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bar dem Genie der Künstler nützlichwerden.
Aber sie ist der Gefahr auszuarten,und den Künsten zu schaden, ausge-setzt, so bald sie zu einein gewissenGrad des Flors und äußerlichen An-sehens gestiegen ist. Die ersten Kunst-lichter wiedmeten ihr Nachdenken derTheorie der Künste, weil die Naturihnen das besondere Genie zu Unter-suchungen dieser Art gegeben hatte;was sie bemerkten und cntdekten, hat-te das Gepräge der Gründlichkeit,ob es gleich noch nicht allgemeinund vollständig genug war. Nach-dem einmal die Critik durch derglei-chen Bemerkungen mit Sätzen so weitbereichert worden, daß es der MüheWerth war, sie in ein System zusammeln: so wurde sie zu einer Wis-senschaft, die nun auch mittelmäßi-gen und seichten Kopsen in die Au-gen leuchtete. Nicht nur Mannervon Genie, sondern auch bloße Lieb-haber ohne Talente wiedmcten ihrihre Zeit. Diese bildeten sich ein,man tonne sie lernen, weil die Kunst,spräche, und die einmal in die Wis-senschaft aufgenommenen Satze sichleicht ins Gcdachtniß fassen lassen.Was also im Anfange die Frucht deswahren Genies war, wurde nun zurModcwissenschaft, auf welche sichLeute ohne Genie und Talente legten.Jeder seichte Kops, der sie ohne Ver-stand blos durch das Gedachmiß ge-faßt hatte, versuchte sie mit seineneigenen Sätzen, mit neuen Wörtern,an denen das Genie keinen Antheilhatte, zu bereichern; und so wurdedie Cruik zuletzt zu einem Gewäsche,in welchem man nur mit großerMü-he die von den wahren Kunstlichterngemachten Entdckungen noch wahr-nehmen konnte. Wenn nun zugleichauch Menschen ohne natürlichen Pe-rus sich aus die Künste legen: so glau-ben sie dieselben aus den Theorienc> lernen zu können; und so werdenKünste undCrit k zugleich verdorben.
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Dieses Schiksal haben unter denGriechen die Rhetorik und zugleichdie Beredsamkeit gehabt. Aristote-les, der als ein Mann von Genieüber diese Kunst geschrieben hatte, be-kam tausend Nachfolger ohne Genie,welche nach und nach die Theorie derKunst in einen bcynahe leeren Wort-kram verwandelten, so daß man zu-letzt in einem einzigen Worte aus derIsias acht verschiedene rhetorischeFiguren cntdekte, deren jede ihrenbesondcrn Namen hatte. Und nungab es auch schwache Köpfe, die ansden Rhetoriken die Beredsamkeit er-lernen wollten. Aus diese Weiftmußte die Kunst durch die Critik zuGrunde gehen. Dieses Schiksal ha-ben die schönen Künste mit den Wis.senschaften gemein: so ist es der Lo-gik, der Metaphysik, der Sittenlehre,und überhaupt der ganzen Philoso.phie gegangen. Die schatzbarestcnErfindungen des menschlichen Genieswerden allmahlig verdorben, nach-dem sie so weit gekommen sind, daßsie durch ihren äußerlichen Glanz diecitcle Ehrsucht schwacher Köpfe reizen.Diese wollen denn das Ihrige auchdazu beytragen; da es ihnen aberan Genie fehlt, so besteht ihr Vey-trag in einem leeren Wortgeprangeund einer Menge willkührlicher undsophistischer Satze, die sie für Wahr-Helten ausgeben; und so fällt dieganze Erfindung in eine finstere Bar-barey. Der, welcher zuerst auf dieGedanken gekommen ist, eine» wil-den Baum durch Verpflanzung inbessern Boden, durch Wartung unddurch Beschneiden zu verbessern, warein Mann von Genie, der Erfinderder Pflanzknnst; der aber, der end-lich, um auch etwas Neues in dieserKnnsizucrfinden, den kindischen Ein-fall gehabt, dem Baume durch Be-schneiden die Form einer Säule, odereines Thicrcszu geben, hat dciiRuhm,der Kunst den letzten tödtsichenStreichversitzet zu haben.
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