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3 (1793) [K - Q]
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Empfindungen der Andacht auf sol-che Weise setzen zu wollen.

Um den Gesang nochfeycrlicherzumachen, und zugleich die Harmoniezu unterstützen, wurden auch Instru-mente dabey eingeführt. Die Orgel,oder große Contraviolone wurdenzum begleitenden Baß, und die Po-saunen um einige Singcstimmen zuverstärken, gebraucht; endlich aberführte man allmählig alle übrigeInstrumente in die begleitenden Mit-telstlinmcn ein.

Um dem Kirchengcsang mehr Man-nichfaltigkeit zu geben, suchte manauch darin Abwechslungen, daß ei-nige Strophen als Chöre, andre,oder cinzcle Verse nur von einemSanger, als ein Solo, andre alsDuette, oder Terzette; einige cho-ralmäßig, andre durchgehcnds alsFugen gesetzt, und denn verschiedent-lich von ausfüllenden Instrnment-siimmcn begleitet wurden. Auf die-scArt werden bisweilen Psalmen undHymnen gesetzt. Dabey hat nun derTonsctzer vorzüglich darauf zu ach-ten, daß diese Abwechslungen nichtwillkührlich scycn, sondern sich nachdem Texte richten. Es kann aller-dings ein Hymnus so gemacht seyn,daß einige Verse desselben am bestennach Art eines Chors, andre alseine rauschende Fuge, und noch an-dre nur von einem, oder von zwey,oder drcy Sängern, gesungen wer-den. Dieses muß der Tonsetzer ^e-nau beurthcilen, um jeden Theil desHymnus auf die schicklichste Art zubearbeiten. Vorher aber muß derDichter, der den Text zu einer sol-chen Musik macht, den Inhalt zudiesen Abwechslungen einrichten.

In der römischcatholischen Kirchehat die Kirchenmusik ihre bestimm-ten und festgesetzten Formen, die un-verändert bcybehalten werden; beyden Protestanten aber haben Dichterund Tonsetzcr sich neue Formen er-laubt, und sind nicht allemal giüklich

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dabey gewesen. Mit der Einführunggeistlicher Cantatcn haben sich auch dieRecicarive und Arien in der Kirchen-musik eingefunden, und mit ihnen istder ausschweifende Geschmak derOpcrnmusik hereingekommen. In eini-gen protestantischen Kirchen Deutsch-lands ist man so gar auf den abge-schmaktett Einfall gekommen, die Kir-chenmusik bisweilen dramatisch zumachen.- Man hat Oratorien, wiekleine Opern, woRecitattve, Arien undDuette nach Opernart beständig un-tereinander abwechseln, so daß eineHandlung von verschiedenen Perso-nen vorgestellt wird. Eine Erfindungeines wahnwitzigen Kopfes, die zurSchande des guten Geschmaks nochan vielen Orten bcybehalten wird *).

Rousseau hält dafür, daß die ein-fachcste Kirchenmusik ans den Trüm-mern der alten griechischen Musikentstanden fey. Es ist der Mühe wolweich, daß wir seine Gedanken hier-über hersetzen.Der Cantus Fir«mus, sagt er, so wie er gegenwär-tig noch vorhanden ist, ist ein, zwarsehr verstellter, aber höchstschätzba-rer Ueberrest der alten griechischenMusik, welche selbst von den Bar-baren, in deren Hände sie gefallenist, ihrer ursprünglichen Schönhei-ten nicht ganz beraubt worden ist.Noch bleibet ihr genug davon übrig,um ihr einen großen Vorzug überdie weibische, theatralische oder elendeund platte Musik, die man in einigenKirchen höret, zugeben, worin wederErnsthaftigkeit, noch Geschmak, nochAnständigkeit, noch Ehrerbietung fürden Ort, den man dadurch entheili-get, zu bemerken ist."

Zu der Zeit, da die Christen an-fiengen Kirchen zu. haben, und indenselben Psalmen und andre Hym-nen zu singen, hatte die Musik be-reits fast allen ihre» ehemaligenNachdruk verloren. Die Christen

nahmen

*) S. Oratorium.