Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
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8 ^ Ken

als Künstler, nichts auszusetzen ha-ben. Man sieht Gesichter, die jedenMenschen von Empfindung zur Liebereizen, an deren Zeichnung undFarbeverschiedenes auszusetzen ist, dasdoch Niemand aussetzt, als wer überVerhältnis und Colorit raffinirt hat:und 'es giebt Gedichte, die vermuth-lich kein Mensch liest, als die Dich-ter, die also außer der Kunst garkeinen Werth haben. So sieht manoft die Tonkünstler mit Entzükcneiner Musik zuhören, die keinen an-dern Menschen das geringste empfin-den laßt.

Wenn wir hier als einen ausge-machten Grundsatz annehmen, wasan einem andern Orte bewiesen wor-den ist *), daß das, was den Kunst-werken ihren eigentlichen Werth giebt,außer derKnnstlicge: so können wirauch behaupten, daß der Künstler,der nicht zugleich die Kenntnis desKenners hat, nicht der eigentlicheRichter über den Werth der Kunst-werke sei).

Wollt ihr wissen, ob ein Werkkunstmäßig sey, so fragt den Kunst-ler darüber; verlangt ihr aber zuwissen, ob es zum öffentlichen, oderzum Privatgebrauch, nach dem End-zwek der Künste schatzbar sei), so fra-get den Kenner: aber richtet euch nie-mals nach einem fremden Urthcil,um zu entscheiden, ob es euch gefal-len, oder mißfallen soll, dieses müßtihr durch euer eigenes Gefühl aus-machen.

Die Frage, wiefern jedermann be-rechtiget, oder tüchtig sey, überKünstler und Kunstwerke zu urthei-lcn, ist alt; und Cicero spricht anmehr Orten davon. Man weiß, inwiefern Apclles, der Sage nach, demgemeinen Mann ein Urtheil über sei-ne Gemahlde zugestanden hat DieSache laßt sich auf ganz einfacheGrundsatze bringen, und völlig ent-scheiden.

*) S. Werke der Kunst.

Ken

Wir müssen die Gründe dazu etwas weit herholen, doch kann esohne große Weitläufigkeit geschehen.Jede klare Vorstellung, auf die wirAcht geben, würkt entweder aufunsre Empfindung, oder sie bcschaff-tiget unfrc Vorstellungskraft. Jenesgeschiehtauf eine mechanische, unsmcistentheils unbekannte Weise, dawir einen angenehmen oder unange-nehmen Eindruk von der Sache em-pfinden; dieses äußert sich aufzwcy-crley Art: entweder bestreben wiruns die Sache deutlich zu fassen,oder wir beurtheilcn sie. Diese drcyWürkungcn zeigen sich gar oft aufeinmal, so daß wir sie nicht unter-scheiden. Daher geschieht es nichtselten, daß wir von den vorkommen-den Gegenständen ganz unbestimmtsprechen, und Empfindungen wieUr-theile aussprechen. Anstatt zu sa-gen, die Sache gefalle oder miß-falle uns, sagen wir, sie sey schön,vollkommen, gut, oder schlecht, un-vollkommen und häßlich. DasWol-gefallcn, oder Mißfallen, kommtgar oft nicht von der Sache selbsther, sondern entsteht aus der gelun-genen oder mißlungenen Bemühungsie zu erkennen, die allemal etwasVergnügen oder Mißvergnügen er-wckt. Auch dieses schreiben wir oftdem Gegenstand zu, wo es doch nurvon uns selbst herkommt.

Auf diese Weise muß nothwendigin unfern Reden und Urtheilen einegroße Verwirrung entstehen. Aberes mangelt der Kritik nicht an demLeitfaden, vermittelst dessen mansicher aus diesem Labyrinth heraus-kommen kann. Man muß nur dreySachen wol voneinander unterschei-den: i. Den unmittelbaren Eindrukdes Wolgcfallcns oder Mißfallens,den wir ohne alle Bemühung oderMitwürkung unfrer seits empfinden.2. Die angenehme oder unangeneh-me Empfindung, die aus der gelun-genen oder mißlungenen Bemühung

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