Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
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er nicht zugleich ein Kenner ist, under ist es nicht allemal, beurtheiltdasMechanische, das, was eigentlichder Kunst allein zugehört; er ent-scheidet, wie gut oder schlecht, wieglüklich oder unglüklich der Künstlerdargestellt hat, was er hat darstel-len wollen, und in wiefern er dieRegeln der Kunst beobachtet hat.Der Kenner brurtheilcr auch das,was außer der Kunst ist: den Ge°schmak des Künstlers in der Wahlder Sachen; seine Beurtheilungs-kraft in Ansehung des Werths derDinge; sein ganzes Genie in Absichtauf die Erfindung; er vergleicht dasWerk, so wie es ist, mit dem, wases seiner Natur nach seyn sollte, umzu bestimmen, wie nahe es der Voll-kommenheit liegt; er cntdcket dasGute und das Schlechte an demsel-ben, und weiß überall die Gründeseines Unheils anzuführen. DerLiebhaber bcurthcilct das Werk blosnach den unüberlegten Eindrükcn,die es auf ihn macht; er überlaßtsich zuerst dem, was er dabei) em-pfindet, und denn lobt er das, wasihm gefallen, und tadelt, was ihmmißfallen hat, ohne weitere Gründedavon anzuführen. Man ist einLiebhaber, wenn man ein lebhaftesGefühl für die Gegenstände hat, diedie Kunst bearbeitet; ein Kenner,wenn zu diesem Gefühl ein durch lan-ge Ucbung und Erfahrung gereinig-ter Gcschmak, und Einsicht in dieNatur und das Wesen der Kunst hin-zukommt; aber ein Künstler wirdman allein durch Uebung in derKunst.

Es gehöret nicht wenig dazu, umden Namen eines Kenners zu verdie-nen. Zwar wird er meistentheilsLeuten gegeben, die weitlauftige hi-storische Kenntnisse von Künstlernund Kunstwerken haben; die aus derManier den Meister erkennen; diedie ganze Geschichte berühmter Wer-ke besitzen; die von den mechanischen

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Regeln der Kunst, mit den' eigentli-chen Kuustzvortern und Redensartenzu sprechen tpissem Aber alles diesesgeHort noch nicht zu dem Wesentli-chen der Wissenschaft, die ein Ken-ner besitzen muß. Die wahre Kennt-nis; gründet sich auf richtige Begriffevon dem Wesen und der Absicht derKünste überhaupt; aus diesen ur-theilet der Kenner von dem Werthder Erfindung des Kunstwerks; be-stimmt, in welchem Grad es schatz-bar und brauchbar sei), und ob. essich für die Zeit und de» Ort schikct;er sieht kein Werk als einen Gegen-stand der Liebhaberei), sondern alsein zu einen, gewissen Zwck bestimm-tes Werk an, und beurtheilet daher,in wiefern es seine Würkung thunkönne, oder müsse. Er kennet denGcschmak verschiedener Zeiten undVölker, die verschiedenen Grade sei-nes Wachsthums, und unterscheidetgenau, was darin den allgemeinennatürlichen Empfindungen, und wasden vorübergehenden Sitten, unddem Veränderlichen in der Denkungs-art zuzuschreiben ist. Darum mußer ein Kenner der Menschen und derSitten seyn. Sein eigener Eeschmakist sicher und überlegt; darum fühlter die so mannigfaltigen Arten undStufen des Schönen, und beurtheiletnicht alles nach einer einzigen Form;nennt das minder Schöne nicht häß-lich, und verwirft ein Werk, dasseintr Bestimmung nach die erste ro-he Gestalt des Schönen haben muß,deswegen nicht, weil es die feinenSchönheiten eines für Liebhaber ei-ner höhern Art verfertigten Werksnicht hat. Die Fehler gegen dasMechanische der Kunst erkennet erfür Unvollkommenheiten, halt sie abergegen die höhern Vollkommenheitender Kraft des Werks, nicht für über-wiegend. Er halt nie dafür, daßdie genaue Befolgung aller mechani-schen Regeln, ein gutes Werk ma-chen könne; weil er in jedem Werk