Druckschrift 
Alexander von Humboldt's Reisen und Forschungen : eine gedrängte Erz. seiner Wanderungen in d. Aequinoctial-Gegenden Amerikas u. im asiat. Rußland
Entstehung
Seite
181
Einzelbild herunterladen
 

tgil

der Ebene erblickt man-eine Klingstein- oder Porphyrschie-fer- Formation.

Die Reisenden begaben sich nunmehr in das Beckender Llanos. Tie Sonne stand fast im Zenith, der Bodenhatte eine Temperatur, von 1l8° bis 122°, und die crstik-kcnde Hitze wurde noch durch die Staubwirbel erhöht, diesich unaufhörlich von der Oberfläche des dürren Erdreichserhoben.

Rings herum schienen die Ebenen in den Himmelaufzusteigen. Der Horizont war an einigen Stellen hellund deutlich abgegränzt, wahrend er an andern hin und herzu wogen, oder mit der Atmosphäre verschmolzen zu seynschien. Die Stämme von Palmenbänmcn, die ihrer Blät-ter beraubt waren, glichen von fern, durch den Nebel gesehn,den Masten von Schiffen, die man am Rande des OceanSentdeckt.

Um der Erzählung einer Reise über eine Strecke vonso einförmigem Anblick einiges Interesse zu verleihen, giebtHumboldt einen Ucberblick von den Ebenen Amerikas imVergleich mit de» Wüsten von Afrika und den fruchtbarenSteppen von Asien, wovon jedoch hier nur die vorzüglich-sten Puncte hervorgehoben werden können.

Es hat, sagt derselbe, der einförmige Anblick dieserSavannen, wo Alles regungslos erscheint, und worauf oftMonate hindurch kaum der Schatten einer Wolke fällt, et-was Schauervolles und Melancholisches. Ja er zweifeltsogar, ob der erste Anblick der Anden oder der Llanos mehrBewunderung erregt, denn da bergige Gegenden eine all-gemeine Aehnlichkcit in ihrer Erscheinung haben, wie hochsich auch immer ihre Gipfel erheben mögen, so ist der An-blick einer sehr hohen Bergkette vielleicht nicht so auffallendals der einer gränzcnlosen, gleich einem Ocean ausgebrei-tete» und nach allen Richtungen mit dem Himmel sich ver-mischenden Ebene.

Man hat gesagt, dass Europa seine Heiden, Astenseine Steppen, Afrika seine Wüsten und Amerika seine