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das Gesetz die fernere Grundlage , der Tempel der Mittelpunkt zurnationalen Einigung bleiben können: aber die Theilung brachte so viele Ver-anlassungen, die theokratischcn Rücksichten aufzugeben, daß man menschlicherWeise eine Auflösung der Reiche erwarten mußte. Denn waren die Reichegetrennt, so hatten sie zur gesonderter Erhaltung getrennte Interessen. Eifer-süchtig mußten sie auf einander blicken, und der Gcmeinsinn war aufshöchste gefährdet. Insbesondere hatte jenes Reich Ursache zu fürchten, inwelchem der religiöse, nationale Mittelpunkt, der Tempel, nicht lag. Esmußte besorgen, seine Angehörigen möchten sich theilweise, um ungehinderterdie Feste im Hause Gottes begehen zu können, dem Muttcrlande wiederanschließen. Es lag darum demselben die Versuchung sehr nahe, alle Ver-bindung mit dem Mutterlande aufzuheben, selbst mit dem religiösen theokra-tischcn Mittelpunkt, dem Gottesdienste der Vater. Diese Versuchung trafwirklich für das Reich Israel ein. Kaum war Jeroboam Herrscher über diezehn Stamme, als er eine Trennung von Iuda dadurch herbeiführte, daß erim Süden und Norden seines Reiches zwei goldene Kalber als SinnbilderJchovens aufstellte, die den Iehovendienst in Jerusalem für seine Untertha-nen ersetzen sollten.
60.
Mit dem Abfalle Jeroboams war das theokratische Königthum inIsrael erloschen, und der Verfall des Reiches unvermeidlich. Statt des rei-nen Gottesdienstes war Bilder- und Götzendienst, und wie das Reich alleSitten und Laster des Weltreiches annahm, so waren auch die Könige nichtmehr Gesalbte des Herrn, sondern ruchlose, abgöttliche Despoten, die dasGesetz des Herrn verhöhnten und die Rechte des Volkes mit Füßen traten.Im Reiche Iuda ging es nicht viel besser. Da war zwar der theokratischenationale Mittelpunkt, da dienten die Leviten und Priester; aber das Beispielder Nachbarstaaten, die Bündnisse, die es mit den heidnischen Reichen ausSchwache eingehen mußte, verkehrten bald die frommen Gesinnungen seinerRegenten. Bald war Iehova auch da in Vergessenheit, von den Götze»verdrängt. Die Priester und Leviten waren schwache Mahner, blinde Wäch-ter, stumme Hunde (Isa. 56, 10.), Nur die Propheten, diese kräftigen Ver-teidiger der Theokratie predigten den Gottkönig, hielten den Königen und demVolke die Schandthat ihres Meineides vor, und suchten sie zu überzeugen,daß ihr Glück nur in der willigen Anerkennung Jehovens, ihr Unglück nurim Abfalle von ihm liege. Zu diesen Stimmen der Erbarmung von oben