Druckschrift 
Lfg. 15 (1840) oder: Handbuch der biblischen Alterthumskunde / von Jos. Frz. Allioli ; 1. Lfg.
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12

zu seyn und die göttliche Offenbarung an die ganze Menschheit zu bringen.Dazu wurde Abraham aus Mesopotamien nach Chanaan gerufen, wo erüberall den Namen des Herrn verkündete, und zunächst Prophet und FürstGottes war (I.Mos. 12, 1: 13, 4: 20, 7). Dieser geistlichen Bestimmungwegen erhielt die israelitische Staatsverfassung den theokratischen Charakter,der ihr mehr oder minder bis zur Auflösung des Volkes verblieb.

21.

Die biblische Theokratie Gottesherrschaft wird nur einseitig auf-gefaßt, wenn sie als jene Herrschaft vorgestellt wird, wo Gott als obersterHerr Gesetzgeber, Richter und Vollzieher bloß in Bezug auf das äußereRechtsverhältniß erscheint. In diesem Sinne hatten mehrere alte Völker, wonicht alle, mehr oder weniger theokratische Verfassung. Die Eigenthümlichkeitder israelitischen Theokratie bestand vielmehr darin, daß diese nicht nur Gottzum obersten Gcwaltträger, Gesetzgeber, Richter und Vollzieher, sondern auchdas Heilige, Sittliche zur Grundlage des Staates machte, und darum vonden Israeliten selbst als Staatsbürgern nicht nur legale Rechtlichkeit, sondernauch sittliche Güte forderte. Die israelitische Theokratie war eine Jneins-bildung von Kirche und Staat.

22.

Je nachdem das theokratische Princip in der israelitischen Staatsge-geschichte entwickelt oder unentwickelt, herrschend oder zurücktretend vor denzu verschiedener Zeit sich ändernden äußeren Verhältnissen erscheint, lassen sichvier Perioden der israelitischen Verfassungsgeschichte ausscheiden:

1) die theokratisch - patriarchalische von Abraham bis Moses, unentwickelteEiyheit von Priesterthum und Fürstenthum;

2) die theokratisch - oberrichtcrliche von Moses bis David, jene Einheit mitvorwaltender Priesterherrschaft;

3) die theokratisch - königliche, jene Einheit mit Vorwaltung des fürstlichenElements, von David bis zur babylonischen Gefangenschaft;

4) die theokratisch - hohepriesterliche, die entwickelte Einheit von Priester-thum und Fürstenthum, von der Rückkehr aus der babylonischen Ge-sangenschast bis zur Unterjochung der Juden durch die Römer.