400
Analogien geführt. Die Zoologie ist lange in ihren Fortschrit-ten dadurch gefährdet worden, daß man in den unteren Thier-classen alle Lebensthätigkeiten an gleichgestaltete Organe wiein den höchsten Thierclasscn gebunden glaubte. Noch mehrist die Kenntniß von der Entwickelungsgeschichte der Pflan-zen in den sogenannten kryptogamischen Cormophyten(den Laub- und Lebermoosen, Farrcn, Lycopodiaceen) oderin den noch niedrigeren Thallophytcn (Algen, Flechten,Pilzen) dadurch verdunkelt worden, daß man überall Ana-logien aus der geschlechtlichen Fortpflanzung des Thierreichs ^zu finden glaubte.
Wenn die Kunst innerhalb deö ZauberkreiscS der Ein-bildungskraft, recht eigentlich innerhalb deö GemütheS liegt,so beruhet dagegen die Erweiterung des Wissens vor-zugsweise auf dem Contact mit der Außenwelt. Dieserwird bei zunehmendem Völkerverkehr mannigfaltiger undinniger zugleich. Das Erschaffen neuer Organe (Werk-zeuge der Beobachtung) vermehrt die geistige, oft auch diephysische Macht des Menschen. Schneller als das Licht trägtin die weiteste Ferne Gedanken und Willen der geschlosseneclectrische Strom. Kräfte, deren stilles Treiben in derelementarischen Natur, wie in den zarten Zellen organi-scher Gewebe, jetzt noch unseren Sinnen entgeht, werden,erkannt, benutzt, zu höherer Thätigkeit erweckt, einst in dieunabsehbare Reihe der Mittel treten, welche der Beherrschungeinzelner Naturgebiete und der lebendigeren Erkcnntniß deöWeltganzen näher führen.