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verbreitet, giebt der Landschaftmalcrei, wenn eö demPinsel gelingt diesen milden Lichteffect nachzuabmen, eineeigenthümliche, geheimnißvolle Macht. Bei tiefer Kenntnis)von dem Wesen des griechischen Trauerspiels hat man sinnigden Zauber des Chors in seiner allvermittelnden Wirkungs-weise mit dem Himmel in der Landschaft verglichen.^Die Vervielfältigung der Mittel, welche der Malereizu Gebote steht, um die Phantasie anzuregen und diegroßartigsten Erscheinungen von Meer und Land gleichsamauf einen kleinen Raum zu eoncentriren, ist unseren Pflan-zungen und Gartenanlagen versagt; aber wo in diesen derTotaleindruck des Landschaftlichen geringer ist, entschädigen sieim einzelnen durch die Herrschast, welche überall die Wirklich-keit über die Sinne ausübt. Wenn man in dem Palmenhausevon Loddiges oder in dem der Pfaueninsel bei Potsdam(einem Denkmal von dem einfachen Naturgefühl unseresedlen, hingeschiedenen Monarchen) von dem hohen Altanebei Heller Mittagssonne auf die Fülle schilf- und baum-artiger Palmen herabblickt, so ist mau auf Augenblicke überdie Oertlichkeit, in der man sich befindet, vollkommen ge-täuscht. Man glaubt unter dem Tropen-Klima selbst, vondem Gipfel eines Hügels herab, ein kleines Palmengebüschzu sehen. Man entbehrt freilich den Anblick der. tiefenHimmelsbläue, den Eindruck einer größeren Intensität desLichtes; dennoch ist die Einbildungskraft hier noch thätiger,die Illusion größer als bei dem vollkommensten Gemälde.Man knüpft an jede Pflanzenform die Wunder einer fernenWelt; man vernimmt das Rauschen der fächerartigen Blät-ter, man sieht ihre wechselnd schwindende Erleuchtung,wenn, von kleinen Luftströmen sanft bewegt, die Palmengipfel
A, v, Humboldt, Kosmos, II, 7