Druckschrift 
2 (1847)
Entstehung
Seite
90
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SV

und dem, was Unbegrenztes aus der Tiefe der Empfindungund der Stärke idealisirender Geisteskraft aufsteigt. DasGroßartige, was dieser schöpferischen Geisteskraft die Land-schaftmalerei, als eine mehr oder minder begeisterte Natur-dichtung, verdankt (ich erinnere hier an die Stufenfolge derBaumformen von Nuyödael und Everdingen durch ClaudeLorrain bis zu Poussin und Hannibal Carracci hinauf),ist, wie der mit Phantasie begabte Mensch, etwas nichtan den Boden gefesseltes. Bei den großen Meistern derKunst ist die örtliche Beschränkung nicht zu spüren, aberErweiterung des sinnlichen Horizonts, Bekanntschaft mitedlereu und größeren Naturformen, mit der üppigen LebenS-fülle der Trvpenwelt gewähren den Vortheil, daß sie nichtbloß auf die Bereicherung deö materiellen Substrats der Land-schastmalerei, sondern auch dahin wirken bei minder begabtenKünstlern die Empfindung lebendiger anzuregen und sodie schaffende Kraft zu erhöhen.

Sei es mir erlaubt hier an die Betrachtungen zuerinnern, welche ich fast vor einem halben Jahrhunderte ineiner wenig gelesenen Abhandlung: Ideen zu einerPhysiognomik der Gewächse^ mitgetheilt habe, Be-trachtungen, die in dem innigsten Zusammenhange mit deneben behandelten Gegenständen stehen. Wer die Natur miteinem Blicke zu umfassen und von Localphänomenen zu ab-strahiren weiß, der erkennt, wie mit Zunahme der be-lebenden Wärme von den Polen zum Aequator hin sich auchallmälig die organische Kraft und die Lebensfülle vermehren.Der Zauber der Natur nimmt in einem geringeren Maaßenoch vom nördlichen Europa nach den schönen Küstenlän-dern des Mittelmeeres, als von der iberischen Halbinsel,