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Die Wahrscheinlichkeitsrechnung und ihre Anwendung auf das wissenschaftliche und praktische Leben
Entstehung
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Gr st er Theil.

Von der Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Erstes Capitel.

Bon den verschiedenen Arten der Wahrscheinlichkeit undderen Bcstiinmu n g.

8. I. Ä5a l) rschcinlichkeit ist überhaupt der Grad der Ue-berzeugung, welcher dem Meinen entspricht, das eine gewisse Artdes Fürwahrhaltens ist. Kann man nämlich die Wahrheit voneinem Etwas nicht vollständig einsehen, jedoch mehr Gründe fürdieses Etwas als dagegen aufstellen; so sagt man davon: diesesEtwas sei wahrscheinlich oder besitze Wahrscheinlichkeit(Probabi lität). Sind mehr Gründe dawider als dafür, sofindet Un Wahrscheinlichkeit statt oder man sagt: es sei un-w ahrscheinli ch. Sprechen alle möglichen Gründe für ein Et-was und kein einziger dagegen, so ist man über dieses Etwas inGewißheit oder man sagt: dieses Etwas sei gewiss. Derhöchste Grad von Gewißheit heißt anschauliche Gewißheitoder Evidenz, wo dann die Annahme der Wirklichkeit als einezwingende Nothwendigkeit sich zeigt. UebrigcnS unterscheidet manoft unmittelbare und mittelbare Gewißheit; jene stehtallein für sich da, diese folgt erst aus andern unmittelbaren Ge-wißheiten mittelst Beweises. Das Gegentheil von Gewißheit istUngewißheit, aus welcher der Zw eifel entsteht Sind näm-lich für und gegen ein Etwas gleich viele und gleich werthvolleGründe vorhanden; so sagt man: man sei über dieses Et-was im Zweifel, d. h. im geraden Gcgentheile der Ueberzeu-gung oder Gewißheit. Wenn ein Etwas stattfindet, und die Ur-sache seines Stattsindens fast oder ganz unbekannt ist, so sagt man:das Stattfinden dieses Etwas sei ein Zufall, oder mansagt von diesem Etwas, es geschehe zufällig. Im gewöhnlichenLeben sagt man auch oft statt Zufall: ohne Absicht und stattzufällig: absichtslos.

§. 2. Wenn man die Wahrscheinlichkeit als einen Theil derGewißheit betrachtet, und voraussetzt, daß die Gründe der Wahr-scheinlichkeit gleichartig oder von gleichem Wcrthe seien, folglich nurgezählt zu werden brauchen; so heißt die auf diese Weise betrachteteWahrscheinlichkeit die mathematische Wahrscheinlichkeit.

§. 3. Sieht man die Gewißheit als die Einheit an, setztman also die Gewißheit 1; so kann dem vorigen §. gemäß

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