32 Das Archiv des Hauses Stubenberg.
Wie es scheint, hat sie dies Geld bereits besessen, alssie die zweite Ehe einging. Sie verzeichnet dann ferner nochihre verliehenen Gelder und deren Rückzahlung, dann be-schreibt sie, was sie in ihrem Haus zu Graz an Silber-geschmeide, auf dem Gute (auf welchem?) an Zinn- undKupfergeschirr, im Grazer Haus an Fahrnissen, an Bett-gewand, desgleichen zu Lechen an Fahrnissen, Möbeln undBettgewand besitzt . . .
Interessant wäre es, eine vollständige Beschreibung desBuches zu gehen. Wir müssen uns begnügen, nur einige Probennoch auszuheben. Sie verzeichnet, was sie ihrem GemahlSigmund Herrn von Stubenberg geliehen: Vir mein herrngp.ma.hl Sigmunt von Stubenwerg hob ich mich mit etlichenschultobligationen verschriben, so in capitol ausdrogen 9426 fl.Dise capetol aber, hof ich, wird mein gemahl one mein odermeiner Hinter entgelt selbst bezalen, weil ich soliches Capitalnicht embfang, sunter mich als sein dreies weib nur auf seinhitt mich vor imb verschrieben. Unterdessen hat mir meingemahl von imb aus ein obligatzion per 9400 fl. göben undvor sein guet als Guetenwerg aus verschriben, 90 Pfundherringilt zu genießen, bis ich meins vor imb verschribeneskäpetol befridigt sein wurd. Das aber ist zu verstehen nochsin tot, wan er mich oder meine kinter nicht selbst in sinenlöbzeiten bezalt. Das intereße ist. auch ane meines entgeltmein gemahl schuldig zu bezalen. Der letzte Satz ist, wieman aus der blässeren Tinte sieht, später hinzugeschrieben.Die Frau Gemahlin fordert strenge neben dem Kapital auchdie Zinsen und schreibt die Worte: Was ich für meinengemahl u. s. w. an einer späteren Stelle nochmals ein. Manbegreift denn auch, daß dem Gemahl, der nach der Ge-mahlin Tod das Buch vorgelegt erhielt, dessen Lektüre nichtbehaglich war. Man wird das den Worten entnehmen, dieer auf das erste Blatt geschrieben hat, und die wir hierwörtlich einrücken: In diesem buech ist vill auffgeschriben,glaube aber, es peßer wäre gewesen, wan es ausgebliben wär,dan wan ich mein gegenrechnung häte sollen machen, soglaube ich gewiß, daß ich dise 20 Jahr meiner liben Wendlnur umb libe und nicht umb intereße ihr und ihren kinderngedient habe. Winsche auch (ohne eigen lob) allen weibern,dergleichen männer als meine liebe Wendel an mir gehabthat. Gott segne ihr liebe seile und gehe ihr die ebige rueh.
Grätz den 12. Martii 1702.
S. H. v. Stubenherg.