dieser Natur, und benutzt sie zu seinen Zwecken weniger mitAbsicht, als auS Instinkt. Aber welche Arbeit, welche Acolidcs-Mühe, welche Oedipuö-Schickung, daß der Mensch sich selbstfinde, daß er sich sieht, wie er ist, in der ganzen Sündhaftig-keit und ganzen Göttlichkeit, in dem ganzen Elende und derganzen Hoheit unseres Wesens! Berge müssen zur Tiefe stei-gen und Thälcr zur Höhe, eh' das wahr wird. Verzehren ander Welt muß sich der innere Mensch nnd die Welt mnß sichan ihm verzehrt haben, eh' das wahr wird. Die göttlicheBarmherzigkeit muß den Fliehenden mehr als einmal ereilt,ihn mehr als einmal verwundet nnd geheilt, erniedriget underhöhet haben, eh' das wahr wird. Solche Schule wird Kö-nigen selten!
Deutschlands königliche Geschlechter nennen Söhne, vieleund große Söhne, die von der Flamme jener aufrichtigeninnigen Liebe zum Volke, und was des Volk's Heiligthnmist, erfüllt waren. Ich sehe drei Familien, worin die sittlichePersönlichkeit ein Erbgut ist. Drei königliche Stämme seheich, die an Pracht und charaktervoller Hoheit alle übrige überra-gen, die alle übrige verdunkeln, welche die Sympathie fürdas Volk in gerader Linie vom Vater auf den Sohn verer-ben, und in welchen die Tugend so unsterblich scheint, alsdie fruchtbarsten Kräfte des Geistes. Die Hohenstaufen habensich der Freiheit und Größe ihres Vaterlandes in unnutcr-brockeucr Linie geppfert, ein wahres Theseus-Geschlecht, dasan der Liebe zum Vaterlande nie satt werden mochte, ein hei-liges Pricstergcschlecht, das sich selbst darbrachte, dessen Grab-mäler deutsche Opfer-Altäre sind. Ich sehe ein anderes Ge-schlecht, daS durch eine einfache und simple bürgerliche Tu-gend, durch die höchsten Talente und die höchsten Thatcn, imGebrauch des Wortes und der Waffe, mit genialer Unbefan-genheit seinen Weg zum Thron nimmt, als wäre der Thronein Ziel des Verdienstes! Wer kennt nicht Oranien, das nochjetzt die Krone eines blutverwandten Volks trägt? Oranien,dessen sämmtliche Söhne eben so viele patriotische Bürger, Feld-