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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
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211
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Heinrich Heine iibcr Ludwig Börne. 211

losigkcit voriverfcn, >vir ivollten daS deutsche Volk unglücklich machen:weil es uus selbst unglücklich gemacht — das verzeihen wir deinKriminnlisten nnd seiner schönen Jmpntatious-Theorie. Daß Sieuns die Klugheit zutrauen, unter dem Scheine der Liebe unsereFeinde zu verderben — dafür müssen wir uns bei dem Jesuiten be-danken, der uns dadurch zu laben glaubte. Aber daß Sie uus fürsv dumm halten, wir würden eine Taube in der Hand für eine Lercheans dein Dache fliegen lassen — dafür müssen Sie uns Rede stehen,Herr Jarke. Wie! wenn wir das deutsche Volk haßten, würden wirmit aller unserer Kraft dafür streiten, es van der schmachvollstenErniedrigung, in der es versunken, es von der bleiernen Tyrannei,die ans ihm lastet, es von dem llbermute seiner Aristokraten, demHochmnte seiner Fürsten, von dem Spotte aller Hofnarren, den Ver-leumdungen aller gedungenen Schriftsteller befreien zu helfen, um esden kleinen, bald vorübergehenden nnd sv ehrenvollen Gefahren derFreiheit preiszugeben? Haßten wir die Deutschen, dann schrieben wir wieSie, Herr Jarke. Aber bezahlen ließen wir uns nicht dafür; dennauch noch die sündevolle Rache hat etwas, das entheiligt werden kann."»)Die Verdächtigung seines Patriotismus erregte bei Borne, inder angeführten Stelle, eine Mißlaune, die der bloße Vorwurf jüdischerAbstammung niemals in ihm hervorzurufen vermochte. Es amüsierteihn sogar, wenn die Feinde, bei der Fleckcnlvsigkeit seines Wandels,ihm nichts Schlimmeres nachzusagen wußten, als daß er der Spröß-ling eines Stammes, der einst die Welt mit seinem Ruhme erfüllteund trotz aller Herabwürdigung noch immer die uralt heilige Weihenicht ganz eingebüßt hat. Er rühmte sich sogar oft dieses Ursprungs,freilich in seiner humoristischen Weise, nnd den Mirabenu parodierend,sagte er einst zu einem Franzosen: „ckösus Lürrist — cini gnpursntürsss statt rnou eousiir — a, xrsebs 1'sAuIitö u. s. w." Inder Thnt, die Juden sind aus jenem Teige, woraus man Götterknetet; tritt man sie heute mit Füßen, fällt man morgen vor ihnenauf die Kniee; während die einen sich im schäbigsten Kote des Schachersherumwühlen, ersteigen die andern den höchsten Gipfel der Mensch-heit, und Golgatha ist nicht der einzige Berg, wo ein jüdischer Gottfür das Heil der Welt geblutet. Die Juden sind das Volk des Geistes,»nd jedesmal, wenn sie zu ihrem Prinzips zurückkehren, sind sie groß

*) Hier solgte im Originalmaunskript ein später von Heine getilgtes Citat«Iis dem „Franzoseufresser" (Börnes siimmtl. Werke Bd. VI, S. Zgli bis 40S), ein-geleitet durch nachstehende Worten „Ich kann nicht umhin, eine Parallelstcllc ansdem „Franzoscnfresser" hier anzuführen, wo Börne in derselben Weise die matteKlciuiist, die geistige Dürftigkeit eines Räumers beleuchtet. Der ehrliche Menzelhatte diese Vettel in seinem „Littcratnrblatte" weidlich herausgestrichen, nnd Börnemacht hierüber folgende Bemerkungen c

„Und wie sie sich untereinander kennen n. — uns als Patrioten zu melden."

. Der Herausgeber,

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