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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
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Heinrich Heine über Ludwig Börne.

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In, das war ein närrischer Traum," rief Börne plötzlich mitlautem Lachen, und aus der düsteren Stimmung in die heitere über-springend, wie es seine Gcmohnheit war,das war ein närrischerTranin! Die Erzählungen des Handwerksburscheu, der in Amerikagewesen, hatten mich dazu vorbereitet. Dieser erzählte mir nämlich,in den nordamerikanischen Städten sähe man, auf der Straße sehrgroße Schildkröten herumkriechen, ans dereit Rücken mit Kreide ge-schrieben steht, in welchem GasthanS und au welchem Tage sie alsTnrtclsuppe verspeist werden. Ich weiß nicht, warum mich diese Er-zählung so sehr frappierte, warum ich den ganzen Tag an die armenTiere dachte, die so ruhig durch die Straßen von Boston nmhcr-kriechcn und nicht wissen, daß ans ihrem Rücken ganz bestimmt derTag und der Ort ihres Unterganges geschrieben steht . . . Undnachts, denken Sie sich, im Traume sehe ich meine Freunde, diedeutschen Patrioten, in lauter solche Schildkröten verwandelt, ruhigherumkriechen, und auf dem Rücken eines jeden stehen mit großenBuchstaben ebenfalls Ort und Datum, wo man ihn einstecken werdein den verdammten Snppcntopf . . . Ich habe des andern Tagesdie Leute gewarnt, durfte ihnen aber nicht sagen, was mir geträumt,denn sie hätten's mir übel genommen, daß sie, die Männer der Be-wegung, mir als langsame Schildkröten erschienen . . . Aber dasExil, das Exil, das ist eine schreckliche Sache . . . Ach! wie beneideich die französischen Republikaner! Sic leiden, aber im Vatcrlande.Bis zum Augenblick des Todes steht ihr Fuß auf dem geliebtenBoden des Vaterlandes, lind gar die Franzosen, welche hier inParis kämpfen und alle jene teueren Denkmäler vor Augen haben,die ihnen von den Grvßthaten ihrer Väter erzählen und sie tröstenund aufmuntern! Hier sprechen die Steine und singen die Bäume,und so ein Stein hat mehr Ehrgefühl und predigt GotteS Wort, näm-lich die Märtyrgeschichte der Menschheit, weit eindringlicher, als alleProfessoren der historischen Schule zu Berlin und Göttiugen. Unddiese Kastanienbänme hier in den Tnilcricn, ist es nicht, als sängensie heimlich die Marseillaise mit ihren tausend grünen Zungen? . . .Hier ist heiliger Boden, hier sollte man die Schuhe ausziehen, wennman spazieren geht . . . Hier links ist die Terrasse der Feuillantsidort rechts, Ivo sich jetzt die Rne Rivoli hinzieht, hielt der Klub derJakobiner seine Sitzungen . . . Hier vor uns, im Tuilcricngebände,donnerte der Konvent, die Titancnversammlung, wogegen Bonapartemit seinem Blitzvogel nur wie ein kleiner Jupiter erscheint . . . dortgegenüber grüßt uns die Place Lvnis XVI., wo das große Excmpclstatuiert wurde . . . Und zwischen beiden, zwischen Schloß und Nicht-Platz, zwischen Fcuillants und Jakvbinerklub, in der Mitte, der heiligeWald, wo jeder Baum ein blühender Freiheitsbaum . . ."

Au diesen alten Kastanienbttumcn in dem Tnileriengarten sind