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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
183
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Heinrich Heine über Ludwig Börne. 18?

Nein, Polen ist noch nicht verloren , , , Mit seiner politischenExistenz ist sein wirkliches Leben noch nicht abgeschlossen. Wie einstIsrael nach dein Falle Jerusalems, so vielleicht nach dem FalleWarschans erhebt Polen sich zn den höchsten Bestimmungen. Es sinddiesem Volke vielleicht noch Thaten vorbehalten, die der Genius derMenschheit höher schabt, als die gewonnenen Schlachten und dasAltertümliche Schwertcrgeklirrc nebst Pferdcgctrainpel seiner nationalenVergangenheit! Und anch ohne solche nachbliihcnde Bedeutung wirdPolen nie ganz verloren sein ... Es wird ewig leben ans den rühmliebsten Blättern der Geschichte!!!

Nächst dem Durchzug der Polen, habe ich die Vorgänge inRhcinbayern als den nächsten Hebel bezeichnet, welcher nach der Inlinercvolntion die Aufregung in Deutschland bewirkte, und auch ansunsere Landsleutc in Paris den größten Einfluß ausübte. Die hiesigeVolksversammlung war im Anfange nichts anderes, als eine Filialegcscllschaft de? Prcßvereins von Zweibrückcn. Einer der gewaltigstenRedner der Bipontiner kam hierher; ich habe ihn nie in der Volks-versammlung sprechen gehört, sah ihn damals nur zufällig einmalim Kafscehause, wo er mit hoher Stirn das neue Reich verkündete,und die gemüßigten Verräter, namentlich die Redactorcn der Angs-burgcr „Allgemeinen Zeitung" mit dem Strange bedrohte . . . HJchwundere mich, daß ich damals noch den Mut hatte, als Redactcnrder „Allgemeinen Zeitung" thätig zu sein . . . Jetzt sind die Zeitenminder gefährlich . . . Es sind seitdem acht Jahre verflossen, und derdamalige Schrcckensmann, der Tribun aus Zweibrückcn, ist in diesemAugenblick einer der schreibseligsten Mitarbeiter der „AllgemeinenZeitung" . . .)

Von Rheinbapern sollte die deutsche Revolution ausgehen. Zweibrücken war daS Bethlehem, wo die junge Freiheit, der Heiland inder Wiege lag und wclterlösend greinte. Neben dieser Wiege brülltemanches Lchslein, das späterhin, als man ans seine Hörner zählte,sich als ein sehr gemütliches Rindvieh erwies. Man glaubte ganzsicher, daß die deutsche Revolution in Zwcibrücken beginnen würde,und alles war dort reif zum Ausbruch. Aber, wie gesagt, die Gemütlichkeit einiger Personen vereitelte jenes polizeiwidrige Untersangen. Da war z. B. unter den verschworenen Bipontinern eingewaltiger Bramarbas, der immer am lautesten wütete, der vonTyranncnhaß am tollsten übersprudelte, und dieser sollte, mit derersten That vorangehend, eine Schildwache, die einen Hauptpvstcnbewachte, gleich niederstechen . . . „Was!" — rief der Mann, alsman ihm diese Ordre gab, — „was! mir, mir konntet ihr eine soschauderhafte, so abscheuliche, so blutdürstige Handlung zumuten? Ich,ich soll eine unschuldige Schildwache umbringen? Ich, der ich einFamilienvater bin! Und diese Schildwnche ist vielleicht ebenfalls ein