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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
181
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Heinrich Heine über Ludwig Börne. 181

auf donnernden Schlachtfeldern wieder begegnen , . , und sie werdenfür uns minder gefährlich sein als Feinde, denn als Freunde. Dereinzige Vorteil, den wir ihnen verdanken, ist jener Rassenhaß, densie bei uns gesäet und der, still fortwuchernd im deutschen Gcmiite,uns mächtig vereinigen wird, wenn die große Stunde schlägt, Ivonur uns zu verteidigen haben gegen jenen furchtbaren Riesen, derjetzt noch schläft und im Schlafe wächst, die Füße weit ausstreckendin die duftigen Blumengärten des Morgenlandes, mit dein Haupteairstoßend an den Nordpol, träumend ein neues Weltreich . . .Deutschland wird einst mit diesem Niesen den Kampf bestehen müssen,und für diesen Fall ist es gnt, daß wir die Russen schon früh hassenlernten, daß dieser Haß in uns gesteigert wurde, daß auch alle andernVölker daran teilnehmen . . . Das ist ein Dienst, den uns diePolen leisten, die jetzt als Propaganda des Rassenhasses in der ganzenWelt nmherwandern. Ach, diese unglücklichen Polen! sie selber werdeneinst die nächsten Opfer unseres blinden Zornes sein, sie werdeneinst, wenn der Kampf beginnt, die russische Avantgarde bilden, undsie genießen alsdann die bitteren Früchte jenes Hasses, den sie selbergcsäet. Ist es der Wille des Schicksals, oder ist es glorreiche Be-schränktheit, was die Polen immer dazu verdammte, sich selber dieschlimmste Falle und endlich die Todesgrube zu graben . . . seit denTagen Sobieskis, der die Türken schlug, Polens natürliche Alliierte,und die Österreicher rettete . . . der ritterliche Dummkopf!

Ich habe oben von derkleinen polnischen Schlauheit" ge-sprochen. Ich glaube, dieser Ausdruck wird keiner Mißdeutung an-heimfallen; kommt er doch aus dem Munde eines Mcmncs, dessenHerz am frühesten für Polen schlug, und der lange schon vor derpolnischen Revolution, für dieses heldenmütige Volk sprach und litt.Jedenfalls will ich jenen Ausdruck noch dahin mildern, daß ich nach-träglich bemerke, er bezieht sich hier auf die Jahre 1831 und 1832,wo die Polen von der großen Wissenschaft der Freiheit nicht einmaldie ersten Elementarkenntnisse besaßen, und die Politik ihnen nichtsanderes dünkte, als eben ein Gewebe von Wciberkniffen und Hinter-list, kurz, als eine Manifestation jenerkleinen polnischen Schlauheit",für welche sie sich ein ganz besonderes Talent zutrauten.

Diese Polen waren gleichsam ihrem heimatlichen Mittelalter ent-sprungen, und, ganze Urwälder von Unwissenheit im Kopfe tragend,stürmten sie nach Paris, und hier warfen sie sich entweder in dieSektionen der Republikaner oder in die Sakristeien der katholischenSchule; denn um Republikaner zu sein, dazu braucht man wenig zuwissen, und um Katholik zu sein, braucht man gar nichts zu wissen,sondern braucht man nur zu glauben. Die Gescheitesten unter ihnenbegriffen die Revolution nur in der Form der Emeute, und sie ahntennimmermehr, daß namentlich in Deutschland durch Tumult und