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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
178
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178 Novellistische Fragmente.

Grandiosität gewinnen, doch einen sehr schmutzigen und schäbigen An-blick in den Einzelheiten gewähren-, die in Kupfer gestochenen Mist-hansen riechen nicht, und der in Kupfer gestochene Morast ist leichtmit den Augen zu durchwaten!

War es Tugend oder Wahnsinn, was den Ludwig Borne dahinbrachte, die schlimmsten Mißdüfte mit Wonne einzuschnaufen nnd sichvergnüglich im plebejischen Kot zu wälzen? Wer löst uns das Rätseldieses Mannes, der in weichlichster Seide erzogen worden, späterhinin stolzen Anflügen seine innere Vornehmheit bekundete, und gegendas Ende seiner Tage plötzlich überschnappte in pöbelhafte Töne undin die banalen Manieren eines Demagogen der untersten Stufe?Stachelten ihn etwa die Nöten des Baterlandes bis zum entsetzlichstenGrade des Zorns, oder ergriff ihn der schauerliche Schmerz eines ver-lorenen Lebens? . , , Ja, das war es vielleicht; er sah, wie er diesesganze Leben hindurch mit all seinem Geiste und all seiner Mäßigungnichts ausgerichtet hatte, weder für sich noch für andere, nnd er verhüllte sein Haupt, oder, um bürgerlich zu reden, er zog die Mützeüler die Ohren nnd wollte fürder weder sehen, noch hören, nndstürzte sich in den heulenden Abgrund , , , Das ist immer eineResource, die uns übrig bleibt, wenn wir angelangt bei jenen hoff-nungslosen Marken, Ivo alle Blumen verwelkt sind, Ivo der Leib müdennd die Seele verdrießlich . . , Ich will nicht dafür stehen, daß ichnicht einst unter denselben Umständen dasselbe thue , , , Wer weiß,vielleicht am Ende meiner Tage überwinde ich meinen Widerwillengegen den Tabaksqualm und lerne rauchen und halte die ungewaschen-sten Reden vor dem ungewaschensten Publikum , , .

Blätternd in Börnes Pariser Briefen, stieß ich jüngst ans eineStelle, welche mit den Äußerungen, die mir oben entschlüpft, einensonderbaren Znsammenklang bildet, Sic lautet folgendcrinaßcin

„— — Vielleicht fragen Sie mich verwundert, wie ich Lumpdazu komme, mich mit Byron zusammen zu stellen? Darauf mußich Ihnen erzählen, was Sie noch nicht wissen. Als Byrons Geniusans seiner Reise durch das Firmament ans der Erde ankam, eineNacht dort zu verweilen, stieg er zuerst bei mir ab. Aber das Hausgefiel ihm gar nicht, er eilte schnell wieder fort nnd kehrte in dasHotel Byron ein. Viele Jahre hat mich das geschmerzt, lauge hates mich betrübt, daß ich so wenig geworden, gar nichts erreicht. Aberjetzt ist es vorüber, ich habe es vergessen und lebe zufrieden in meinerArmut, Mein Unglück ist, daß ich im Mittelstände geboren bin, fürden ich gar nicht Passe. Wäre mein Bater Besitzer von Millionenoder ein Bettler gewesen, wäre ich der Sohn eines vornehmen Mannesoder eines Landstreichers, hätte ich es gewiß zu etwas gebracht. Derhalbe Weg, den andere durch ihre Geburt voraus hatten, entmutigtemich; hätten sie den ganzen Weg vorausgehabt, hätte ich sie gar nicht