146 Novellistische Fragmente.
ein Produkt de? Ortes, und, um derselben zu entfliehen, reisen siedurch alle Lande, langweilen sich überall und kehren heim mit einemUi-rrz- ob an snnn^o. Es geht ihnen, wie dem Soldaten, dem seineKameraden, als er schlafend ans der Pritsche lag, Unrat unter dieNase rieben; als er erwachte, bemerkte er, eS röche schlecht in derWachtstube, und er ging hinaus, kam aber bald zurück und be-hauptete, auch draußen röche es übel, die ganze Welt stänke.
Einer meiner Freunde, welcher jüngst ans Frankreich kam, be-hauptete, die Engländer bereisten den Kontinent aus Verzweiflungüber die plumpe Küche ihrer Heimat; an den französischen Tabled'hoten sähe man dicke Engländer, die nichts als Bol-an-Vcnts,Creme, Suprsmes, Ragouts, Gelees und dergleichen luftige Speisenverschluckten, und zwar mit jenem kolossalen Appetite, der sich daheiman Roastbeesmasscn und Uorkshirer Plnmpudding geübt hatte, undwodurch am Ende alle französischen Gastwirte zu Grunde gehenmüssen. Ist etwa wirklich die Exploitation der Table d'hoten dergeheime Grund, weshalb die Engländer herumreisen? Während wirüber die Flüchtigkeit lächeln, womit sie überall die Merkwürdigkeitenund Gemäldegalerien ansehen, sind sie es vielleicht, die nnS mystifi-zieren, und ihre belächelte Neugier ist nichts als ein pfiffiger Deck-mantel für ihre gastronomischen Absichten.
Aber wie vortrefflich auch die französische Küche, in Frankreichselbst soll es jetzt schlecht aussehen, und die große Retirade hat nochkein Ende. Die Jesuiten florieren dort und singen Trinmphlieder.Die dortigen Machthaber sind dieselben Thoren, denen man bereitsvor fünfzig Jahren die Köpfe abgeschlagen . . . Was half's! sie sinddem Grabe wieder entstiegen, und jetzt ist ihr Regiment thörichtcrals früher; denn als man sis aus dem Tvtenreich ans Tageslichtheraufließ, haben manche von ihnen in der Hast den ersten, bestenKopf aufgesetzt, der ihnen zur Hand lag, und da ereigneten sich garheillose Mißgriffe; die Köpfe passen manchmal nicht zu dem Rumpfund zu dem Herzen, das darin spukt. Da ist mancher, welcher wiedie Vernunft selbst auf der Tribüne sich ausspricht, so daß wir denklugen Kopf bewundern, und doch läßt er sich gleich darauf von demunverbesserlich verrückten Herzen zu den dümmsten Handlungen ver-leiten ... Es ist ein grauenhafter Widerspruch zwischen den Ge-danken und Gefühlen, den Grundsätzen und Leidenschaften, den Redenund den Thaten dieser Revenants!
Oder soll ich nach Amerika, nach diesem ungeheuren Freiheits-gefängnis, Ivo die unsichtbaren Ketten mich noch schmerzlicher drückenwürden, als zu Hause die sichtbaren, und wo der widerwärtigste allerTyrannen, der Pöbel, seine rohe Herrschaft ausübt! Du weißt, wieich über dieses gottverfluchte Land denke, das ich einst liebte, als iches nicht kannte . . . Und doch muß ich es öffentlich loben und preisen,