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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
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Florentinische Nächte.

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Gesicht, daS ganz jung und rosig blühte und von süßer Zärtlichkeiterglänzte, wenn er nach dem hübschen Dämchen hinäugelte, das nebenihm am Notenpult stand, während er Violine spielte.

„In der That, an seiner Seite erblickte ich ein hübsches jungesGeschöpf, altmodisch gekleidet, der weiße Atlas ausgebauscht unterhalbder Hüften, die Taille um so reizender schmal, die gepuderten Haarehoch auffrisiert, das hübsch runde Gesicht um so freier hervorglänzendmit seinen blitzenden Augen, mit seinen geschminkten Wnnglein,Schönpflästerchen und impertinent süßem Naschen. In der Handtrug sie eine weiße Papierrolle, und sowohl nach ihren Lippen-bewegnugen, als nach dem kokettierenden Hin- und Herwiegen ihresOberleibchens zu schließen, schien sie zu singen; aber vernehmlich wardmir kein einziger ihrer Triller, und nur aus dem Biolinspiel, womit derjunge Pnganini das holde Kind begleitete, erriet ich, was sie sangund was er selber während ihres Singens in der Seele fühlte. O,das waren Melodien, wie die Nachtigall sie flötet in der Abend-dämmerung, wenn der Duft der Rvfe ihr das ahnende Frühlingsherzmit Sehnsucht berauscht! O, daS war eine schmelzende, wollüstig Hin-schmachtende Seligkeit! Das waren Töne, die sich küßten, dannschmollend einander flohen, und endlich wieder lachend sich umschlangenund eins wurden, und in trunkener Einheit dahinstarben. Ja, dieTöne trieben ein heiteres Spiel, wie Schmetterlinge, wenn einer demandern neckend ausweicht, sich hinter eine Blume verbirgt, endlich er-hascht wird, und dann mit dem andern, leichtsinnig beglückt, im gol-denen Sonnenlichte hinaufflattert. Aber eine Spinne, eine Spinnekann solchen verliebten Schmetterlingen mal plötzlich ein tragischesSchicksal bereiten. Ahnte dergleichen das junge Herz? Ein wehmütigseufzender Ton, wie Vorgefühl eines heranschleichenden Unglücks, glittleise durch die entzücktesten Melodien, die ans Paganinis Violinen-spiel hervorstrahlten . . . Seine Augen werden feucht . . . Anbetendkniet er nieder vor seiner Amata . . . Aber ach! indem er sich beugt,um ihre Füße zu küssen, erblickt er unter dem Bette einen kleinenAbbatc! Ich weiß nicht, was er gegen den armen Menschen habenmochte, aber der Gennescr wurde blaß wie der Tod, er ersaßt denKleinen mit wütenden Händen, giebt ihm diverse Ohrfeigen, sowieauch eine beträchtliche Anzahl Fußtritte, schmeißt ihn gar zur Thürhinaus, zieht alsdann ein langes Stilett aus der Tasche und stößtes in die Brust der jungen Schönen . . .

„In diesem Augenblick aber erscholl von allen Seiten: Bravo!Bravo! Hamburgs begeisterte Männer und Frauen zollten ihrenranschendsten Beifall dem großen Künstler, welcher eben die erste Ab-teilung seines Konzertes beendigt hatte, und sich mit noch mehr Eckenund Krümmungen als vorher verbeugte. Auf seinem Gesichte, wolltemich bedünken, winselte ebenfalls eine noch flehsamere Demut als