Memoiren des Herrn von Schnabelewopski. 55
ein dunkles Fener in der Brnst, nnd sie fahren gegen Wind nndWetter — ihre Ranchflagge flattert wie der schwarze Federbusch desnächtlichen ReiterS, ihre Zackenräder sind wie kolossale Pfundsporen,womit sie das Meer in die Wellenrippen stacheln, nnd das widerspenstigschäumende Element muß ihrem Willen gehorchen wie ein Roß —aber sehr oft platzt der Kessel, nnd der innere Brand verzehrt uns.
Doch ich will mich aus der Metapher wieder herausziehen undauf ein wirkliches Schiff setzen, welches von Hamburg nach Amsterdamfährt. ES war ein schwedisches Fahrzeug, hatte außer dem Heldendieser Blätter auch Eisenbarren geladen, und sollte wahrscheinlich alsRückfracht eine Ladung Stockfische nach Hamburg oder Eulen nachAthen bringen.
Die Usergegenden der Elbe sind wunderlieblich, besonders hinterAltona, bei Rainville. Unfern liegt Klopstock begraben. Ich kennekeine Gegend, wo ein toter Dichter so gut begraben liegen kann wiedort. Als lebendiger Dichter dort zu leben, ist schon weit schwerer.Wie oft Hab ich dein Grab besucht, Sänger des Messias, der du sorührend wahr die Leiden Jesu besungen! Du hast aber auch langgenug auf der Königstraße hinter dem Jnngfcrnstieg gewohnt, um zunnssen, wie Propheten gekreuzigt werden.
Den zweiten Tag gelangten wir nach Knxhaven, welches einehambnrgischc Kolonie. Die Einwohner sind Unterthancn der Republikund haben es sehr gut. Wenn sie im Winter frieren, werden ihnenans Hamburg wollene Decken geschickt, und in allznhcißen Sommer-tagen schickt man ihnen auch Limonade. Als Prvkonsnl residiert dortein hoch- nnd wohlwciser Senator. Er hat jährlich ein Einkommenvon 20000 Mark nnd regiert über 5000 Seelen. Es ist dort auchein Seebad, welches vor andern Seebädern den Vorteil bietet, daßes zu gleicher Zeit ein Elbbad ist. Ein großer Damm, worauf manspazieren gehen kann, führt nach Ritzebüttel, welches ebenfalls zuKnxhaven gehört. Das Wort kommt aus dem Phönizischen; die Worte„Ritze" und „Büttel" heißen ans phönizisch- „Mündung der Elbe".Manche Historiker behaupten, Karl der Große habe Hamburg nurerweitert, die Phönizier aber hätten Hamburg und Altona gegründet,nnd zwar zu derselben Zeit, als Svdom nnd Gomorrha zu Grundegingen. Vielleicht haben sich Flüchtlinge ans diesen Städten nachder Mündung der Elbe gerettet. Man hat zwischen der Fuhlcntwictennd der Kaffcemachcrei einige alte Münzen ausgegraben, die nochunter der Regierung von Vera XVI. nnd Byrsa X. geschlagen worden.Nach meiner Meinung ist Hainburg das alte Tharsis, woher Salomoganze Schiffsladungen voll Gold, Silber, Elfenbein, Pfauen und Affenerhalten hat. Salomo, nämlich der König von Inda und Israel,hatte immer eine besondere Liebhaberei für Gold und Affen.
Unvergeßlich bleibt mir diese erste Seereise. Meine alte Groß