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11 (1898) Ludwig Börne Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
41
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Memoiren des Herrn von Schnabelewopski, 41

Kapitel Iii.

Mein erster Ausflug, als ich SchuabelewvpS verließ, war nachDeutschland, und zwar nach Hamburg, wo ich sechs Monate blieb,statt gleich nach Leyden zu reisen und mich dort, nach dem Wunschemeiner Eltern, dem Studium der Gottesgelahrtheit zu ergeben. Ichmuß gestehen, daß ich während jenes Semesters mich mehr mit welt-lichen Dingen abgab als mit göttlichen.

Die Stadt Hamburg ist eine gute Stadt; lauter solide Häuser.Hier herrscht nicht der schändliche Macbeth, sondern hier herrscht Banko.Der Geist Bantus herrscht überall in diesem kleinen Freistaate, dessensichtbares Oberhaupt ein hoch- und wohlweiser Senat. In der That,es ist ein Freistaat, und hier findet man die größte politische Frei-heit. Die Bürger können hier thun, was sie wollen, und der hoch-nnd wohlweise Senat kann hier ebenfalls thun, was er will; jederist hier freier Herr seiner Handlungen. Es ist eine Republik. HätteLafayette nicht das Glück gehabt, den Ludwig Philipp zu finden, sowürde er gewiß seinen Franzosen die hamburgischen Senatoren undOberalten empfohlen haben. Hamburg ist die beste Republik. SeineSitten sind englisch, und seilt Essen ist himmlisch. Wahrlich, es giebtGerichte zwischen dem Wandrahmen und dem Dreckwall, wovon unserePhilosophen keine Ahnung haben. Die Hamburger sind gute Leuteund essen gut. Über Religion, Politik und Wissenschaft sind ihrerespektiven Meinungen sehr verschieden, aber in betreff des Essensherrscht das schönste Einverständnis. Mögen die christlichen Theologendort noch so sehr streiten über die Bedeutung des Abendmahls: überdie Bedeutung des Mittagsmahls sind sie ganz einig. Mag es unterden Inden dort eine Partei geben, die das Tischgebet ans deutschspricht, während eine andere es auf hebräisch absingt: beide Parteienessen, und essen gut, und wissen das Essen gleich richtig zu beurteilen.Die Advokaten, die Bratenwender der Gesetze, die so lange die Gesetzewenden und anwenden, bis ein Braten für sie dabei abfällt, diesemögen noch so sehr streiten, ob die Gerichte öffentlich sein sollen odernicht: darüber sind sie einig, daß alle Gerichte gut sein müssen, undjeder von ihnen hat sein Leibgericht. Das Militär denkt gewiß ganztapfer spartanisch, aber von der schwarzen Suppe will es doch nichtswissen. Die Arzte, die in der Behandlung der Krankheiten so sehruneinig sind und die dortige Nativnalkrankheit snämlich Magen-beschwerden) als Browuiauer durch noch größere Portionen Rauch-fleisch oder als Homöopathen durch Tropfen Absinth in einergroßen Kumps Mockturtlesuppe zu kurieren pflegen: diese Ärzte sindganz einig, wenn von dem Geschmacke der Suppe und des Rauch-fleisches selbst die Rede ist. Hamburg ist die Vaterstadt des letzteren,des Rauchfleisches, und rühmt sich dessen, wie Mainz sich seines