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Novellistische Fragmente.
desto gelber und runzlichter wird, so wetteifert dennoch Euer Busenmit der Farbe und Zartheit der süßesten Ananas! O Scnuora, istauch die Stadt Amsterdam so schön, wie Ihr mir gestern und vor-gestern und alle Tage erzählt habt, so ist doch der Boden, worauf sieruht, noch tausendmal schöner , .
Der Ritter sprach diese letzteren Worte mit erheuchelter Befangen-heit und schielte schmachtend nach dein großen Bilde, das au Schnapper-Elles Halse hing; der Nasenstcrn schaute von oben herab mit suchen-den Augen, und der belobte Busen sehte sich in eine so wogende Be-wegung, daß die Stadt Amsterdam hin und her wackelte.
„Ach!" — senfzte die Schnapper-Elle — „ Tugend ist mehr wertals Schönheit. Was nützt mir die Schönheit? Meine Jugend gehtvorüber, und seit Schnapper tot ist — er hat wenigstens schöne Händegehabt — was hilft mir da die Schönheit?"
Und dabei seufzte sie wieder, und wie ein Echo, fast unhörbar,seufzte hinter ihr der Rascustcrn.
„Was Euch die Schönheit nützt?" — rief Don Isaak — „O,Donna Schnapper-Elle, versündigt Euch nicht an der Güte der schaffen-den Natur! Schmäht nicht ihre holdesten Gaben! Sie würde sichfurchtbar rächen. Diese beseligenden Augen würden blöde verglasen,diese anmutigen Lippen würden sich bis ins Abgeschmackte verplattcn,dieser keusche, liebesuchende Leib würde sich in eine schwerfällige Talg-tonne verwandeln, die Stadt Amsterdam würde auf einen muffigenMorast zu ruhen kommen —"
Und so schilderte er Stück vor Stück das jetzige Aussehen derSchnapper-Elle, so daß der armen Frau sonderbar beängstigend zuMute ward, und sie den unheimlichen Reden des Ritters zu entrinnensuchte. In diesem Augenblicke war sie doppelt froh, als sie der schönenSara ansichtig ward nnd sich angelegentlichst erkundigen konnte, obsie ganz von ihrer Ohnmacht genesen. Sie stürzte sich dabei in einlebhaftes Gespräch, worin sie alle ihre falsche Nornehmthnerci nndechte Herzcnsgüte entwickelte, nnd mit mehr Weitläufigkeit als Klug-heit die fatale Geschichte erzählte, wie sie selbst vor Schrecken fast inOhnmacht gefallen wäre, als sie wildfremd mit der Trekschnite zuAmsterdam ankam, und der spitzbübische Träger ihres Koffers sie nichtin ein ehrbares Wirtshans, sondern in ein freches Franenhans brachte,was sie bald gemerkt an dem vielen Branntweingesöffe und den un-sittlichen Zumutungen . . . nnd sie wäre, wie gesagt, wirklich in Ohn-macht gefallen, wenn sie es während der sechs Wochen, die sie injenein verfänglichen Hanse zubrachte, nur einen Augenblick wagendurste, die Augen zu schließen . . .
„Meiner Tugend wegen" — fetzte sie hinzu — „durfte ich esnicht wagen. Und das alles passierte mir wegen meiner Schönheit!Aber Schönheit vergeht, nnd Tugend besteht."