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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
165
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Die Götter im Exil. 16?

Dvch fallen ihm jetzt die Zähne ans,

Er kann nur bellen und wässern.

„Zu Weimar, dein Mnsenwitwcnsitz,

Da hört' ich viel Klagen erheben,

Man weinte und jammerte: Goethe sei tot,Und Eckermann sei noch am Leben!

„Zu Potsdam vernahm ich ein lautes Geschrei —Was giebt es? rief ich verwundert.

„„Das ist der Gans in Berlin, der liestDort über das letzte Jahrhundert.""

„Zu Göttingen blüht die Wissenschaft,

Doch bringt sie keine Früchte.

Ich kam dort durch in stockfinstrer Nacht,

Sah nirgendswo ein Lichte.

„Zu Celle im Zuchthaus sah ich nurHannoveraner — O Deutsche!

Uns fehlt ein NatioualzuchthausUnd eine gemeinsame Peitsche!

„Zu Hamburg frug ich, warum so sehrDie Straßen stinken thäten.

Doch Juden und Christen versicherten mir,

Das käme von den Fleeten.

„Zu Hamburg, in der guten Stadt,

Wohnt mancher schlechter Geselle;

Und als ich auf die Börse kam,

Ich glaubte, ich wär' noch in Celle.

„Zu Hamburg, in der guten Stadt,

Soll keiner mich wiederschauen!

Ich bleibe jetzt im VenuSberg,

Bei meiner schönen Frauen."

Ich will dem Publikum nichts aufbinden, weder in Versen nochin Prosa, und ich bekenne offen, daß das eben mitgeteilte Gedicht vonmir selbst herrührt, und keinem Minnesänger des Mittelalters an-gehört. Ich fühlte mich indes versucht, dasselbe dem ursprünglichenLiede folgen zu lassen, in welchem der alte Dichter denselben Stoffbehandelt hat. Diese Zusammenstellung wird recht interessant undbelehrend für den Kritiker sein, der sehen möchte, in wie verschiedenerArt zwei Dichter zweier ganz entgegengesetzten Epochen eine unddieselbe Legende behandelt haben, indem sie denselben Plan, dasselbeVersmaß und fast denselben äußeren Rahmen beibehielten. Der