Druckschrift 
8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
161
Einzelbild herunterladen
 

' >

Die Götter im Exil.

Gedenk' ich, wie viele werden sichNoch späterhin dran ergehen!"

„„Tannhäuser, edler Ritter mein,Das sollst du mir nicht sagen,Ich wollte lieber, du schlügest mich,Wie du mich oft geschlagen.

„„Ich wollte lieber, du schlügest mich,Als daß du Beleidigung sprächest,Und mir, undankbar kalter Christ,Den Stolz im Herzen brächest.

„„Weil ich dich geliebet gar zu sehr,Hör' ich nun solche Worte —

Leb ivohl, ich gebe Urlaub dir,

Ich offne dir selber die Pforte.""

161

Zu Rom, zu Rom, in der heiligen StadtDa singt es und klingelt und läutet;Da zieht einher die Prozession,

Der Papst in der Mitte schreitet.

Das ist der fromme Papst Urban,Er trägt die dreifache Krone,

Er trägt ein rotes Purpurgewand,Die Schleppe tragen Barone.

„O heiliger Vater, Papst Urban,

Ich lass' dich nicht von der Stelle,

Du hörest zuvor meine Beichte an,Du rettest mich von der Hölle!"

Das Volk, es weicht im Kreis zurück,Es schweigen die geistlichen Lieder:

Wer ist der Pilger bleich und wüst?Vor dem Papste kniet er nieder.

„O heiliger Vater, Papst Urban,Du kannst ja binden und lösen,

Errette mich von der HöllenqualUnd von der Macht des Bösen!

„Ich bin der edle Tannhäuser genannt,Wollt' Lieb und Lust gewinnen,

Da zog ich in den Venusberg,

Blieb sieben Jahre drinnen.

H-ine's Werke. VIII. Bd.

11