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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
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151
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Die Götter im Exil. 131

Dichtungen. Der Schauplatz ist gewöhnlich Italien und der Heldderselben irgend ein deutscher Ritter, der wegen seiner jungen Un-ersahrenhcit, oder auch seiner schlanken Gestalt wegen, von den schönenUnholden mit besonders lieblichen Listen umgarnt wird. Da gehter nun an schönen Herbsttagen mit seinen einsamen Träumen spazieren,denkt vielleicht an die heimischen Eichenwälder und an das blondeMädchen, das er dort gelassen, der leichte Fant! Aber plötzlich stehter vor einer marmornen Bildsäule, bei deren Anblick er fast° betroffenstehen bleibt. Es ist vielleicht die Göttin der Schönheit, und er stehtihr Angesicht zu Angesicht gegenüber, und das Herz des jungenBarbaren wird heimlich ergriffen von dem alten Zauber. Was istdas? So schlanke Glieder hat er noch nie gesehen, und in diesemMarmor ahnt er ein lebendigeres Leben, als er jemals in den rotenWangen und Lippen, in der ganzen Fleischlichkeit seiner Lands-männinnen gefunden hat. Diese weißen Augen sehen ihn so wollüstigan und doch zugleich so schauerlich schmerzvoll, daß seine Brust erfülltwird von Liebe und Mitleid, Mitleid und Liebe. Er geht nun öfterspazieren unter den alten Ruinen, und die Landsmannschaft ist ver-wundert, daß man ihn fast gar nicht mehr sieht bei Trinkgelagenund Waffenspiclen. Es gehen kuriose Gerüchte über sein Treibenunter den Trümmern des Heidentums. Aber eines Morgens stürzter mit bleichem, verzerrtem Antlitz in die Herberge, berichtigt dieZchrung, schnürt seinen Ranzen und eilt zurück über die Alpen. Wasist ihm begegnet?

Es heißt, daß er eines Tages später als gewöhnlich, als schondie Sonne unterging, nach seinen geliebten Ruinen wanderte, aberob der einbrechenden Finsternis jenen Ort nicht finden konnte, woer die Bildsäule der schönen Göttin stundenlang zu betrachten Pflegte.Nach langem Umherirren, als eS schon Mitternacht sein mochte, be-fand er sich plötzlich vor einer Villa, die er in dortiger Gegendfrüherhin nie gesehen hatte, und er war nicht wenig verwundert, alsBediente mit Fackeln heraustraten und ihn im Namen ihrer Gebieterineinluden, dort zu übernachten. Wie groß aber war sein Erstannen,als er, in einen weiten erleuchteten Saal tretend, eine Dame erblickte,die dort ganz allein auf und nieder wandelte und an Gestalt undGesichtszügen mit der schönen Statue seiner Liebe die auffallendsteÄhnlichkeit hatte. Ja, sie glich jenem Marmorbilde um so mehr, dasie ganz in blendend weißem Mvusselin gekleidet ging und ihr Antlitzaußerordentlich bleich war. Als der Ritter mit sittigem Verneigenihr entgegentrat, betrachtete sie ihn lange ernst und schweigend undfragte ihn endlich lächelnd, ob er hungrig sei. Obgleich nun demRitter das Herz in der Brust bebte, so hatte er doch einen deutschenMagen, infolge des stundenlangen Umherirrens sehnte er sich wirk-lich nach einer Atzung, und er ließ sich gern von der schönen Dame