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8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
128
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128 Deutschland II.

die wohlgemeinteste Verwarnung gegen Teufelsbündnisse, ein frommerZweck, zum Grunde. Die dritte Hnuptquelle der Faustsage, die so-genannten Höllenzwänge, sind Geisterbeschwörungsbücher, die zumTeil in lateinischer, zum Teil in deutscher Sprache abgefaßt und demDoktor Faust selbst zugeschrieben sind. Sie sind sehr wunderlich von-einander abweichend und kursieren auch unter verschiedenen Titeln.Der famoseste der Höllenzwänge istDer Meergeist" genannt; seinenNamen flüsterte man nur mit Zittern, und das Manuskript lag inden Klosterbibliotheken mit einer eisernen Kette angeschlossen. DiesesBuch ward jedoch durch frevelhafte Indiskretion im Jahr 1692 zuAmsterdam bei Holbek in dem Kvhlsteg gedruckt.

Die Volksbücher, welche aus den angegebenen Quellen entstandensind, benutzten auch mitunter ein ebenso merkwürdiges Opus überDoktor Fausts zanberkundigen Famulus, der Christoph Wagner ge-heißen und dessen Abenteuer und Schwanke nicht selten seinem be-rühmten Lehrer zugeschrieben werden. Der Verfasser, der sein Werk1S94, angeblich nach einem spanischen Originale, herausgab, nenntsich Tholeth Schotus. Wenn es wirklich ans dem Spanischen übersetzt, ivas ich aber bezweifle, so ist hier eine Spur, woraus sich diemerkwürdige Übereinstimmung der Faustsage mit der Sage vomDon Juan ermitteln ließe.

Hat es in der Wirklichkeit jemals einen Faust gegeben? Wiemanchen andern Wunderthäter, hat man auch den Faust für einenbloßen Mythos erklärt. Ja, es ging ihm gewissermaßen nochschlimmer: die Polen, die unglücklichen Polen, haben ihn als ihrenLandsmann reklamiert, und sie behaupten, er sei noch heutigestagesbei ihnen bekannt unter dem Namen Twardowski. Es ist wahr,nach frühesten Nachrichten über Faust hat derselbe auf der Univer-sität zu Krakau die Zauberkunst studiert, wo sie öffentlich gelehrtward als freie Wissenschaft, was sehr merkwürdig; es ist auch wahr,daß die Polen damals große Hexenmeister gewesen, was sie heutzu-tage nicht sind; aber unser Doktor Johannes Faustus ist eine sogrundehrliche, wahrheitliche, tiefsinnig naive, nach dem Wesen derDinge lechzende, und selbst in der Sinnlichkeit so gelehrte Natur,daß er nur eine Fabel oder ein Deutscher sein konnte. ES ist aberan seiner Existenz gar nicht zu zweifeln, die glaubwürdigsten Personengeben davon Kunde, z. B. Johannes Wierus, der das berühmteBuch über das Hexenwesen geschrieben, dann Philipp Melanchthon,der Waffenbruder Luthers, sowie auch der Abt Tritheim, ein großerGelehrter, welcher ebenfalls mit Geheimnissen sich abgab und daher,beiläufig gesagt, vielleicht aus Handwerksneid den Faust herab-zuwürdigen und ihn als einen unwissenden Marktschreier darzustellensuchte. Nach den eben erwähnten Zeugnissen von Wierus undMelanchthon war Faust gebürtig aus Kundlingen, einem kleinen