Druckschrift 
8 (1898) Deutschland : 2
Entstehung
Seite
118
Einzelbild herunterladen
 

118 Deutschland II.

wollen die Huldigung Mephistvphelas entgegen zu nehmen. In einemungestümen Uns äs äsnx, welches letztere jetzt mit Faust tanzt,haben beide fürnehmlich das Fürstenpaar im Auge, und während dieteuflischen Tänzerinnen sie ablösen/kost Mcphistophela mit dem Herzogund Faust mit der Herzogin; die überschwengliche Passion der beide»letzteren wird gleichsam parodiert, indem Mephistvphela den eckigenund steifleinenen Graziösitäten des Herzogs eine ironische Zimper-lichkeit entgegensetzt.

Der Herzog wendet sich endlich gegen Faust, und verlangt alseine Probe seiner Schwarzknnst den verstorbenen König David zusehen, wie er vor der Bnndeslade tanzte. Auf solches allerhöchsteVerlangen nimmt Faust den Zauberstab aus den Händen Mephisto-phelas, schwingt ihn in beschwörender Weise, und ans der Erde, welchesich öffnet, tritt die begehrte Gruppe hervor. Auf einem Wagen, dervon Leviten gezogen wird, steht die Bnndeslade, vor ihr tanzt KönigDavid, possenhaft vergnügt und abenteuerlich geputzt, gleich einemKartcnkönig, und hinter der heiligen Lade, mit Spießen in denHänden, hüpfen schaukelnd einher die königlichen Leibgarden, gekleidetwie polnische Inden in lang herabschlotternd schwarzscidencn Kaftcmsund mit hohen Pelzmützen auf den spitzbärtigen Wackelköpfcn. Nach-dem diese Karikaturen ihren Umzug gehalten, verschwinden sie wiederin den Boden unter rauschenden Beifallsbezeigungen.

Aufs neue springen Faust und Mcphistophela hervor zu eineinglänzenden Uns äs äsnx, wo der eine wieder die Herzogin und dicandere wieder den Herzog mit verliebten Gebärden anlockt, so daßdas erlauchte Fürstenpaar endlich nicht mehr widersteht und, seinenSitz verlassend, sich den Tänzen jener beiden anschließt. DramatischeQuadrille, wo Faust die Herzogin noch inniger zu bestricken sucht.Er hat ein Teufclsmal an ihrem Halse bemerkt, und indem er da-durch entdeckt, daß sie eilte Zauberin sei, giebt er ihr ein Rendezvousfür den nächsten Hexen-Sabbath. Sie ist erschrocken und will leugnen,doch Faust zeigt hin auf ihren güldenen Schuh, welcher das Wahrzeichen ist, woran man die Dvmina, die fürnehmste Satansbrcmi,erkennt. Verschämt gestattet sie das Rendezvous. Parvdistisch gcbürden sich wieder gleichzeitig der Herzog und Mcphistophela, dirdämonischen Tänzerinnen setzen den Tanz fort, nachdem die vierHauptpersonen sich in Zwiegesprächen zurückgezogen.

Ans ein erneutes Begehr des Herzogs, ihm eine Probe seinerZ auberkunst zu geben, ergreift Faust den magischen Stab und b.rührt damit die eben dahin wirbelnden Tänzerinnen. Diese ver-wandeln sich im Nu wieder in Ungetüme, wie wir sie im ersten Aktegescheit, und aus dem graziösesten Ringelreihen in die täppischste undbarockste Ronde übcrplumpsend, versinken sie zuletzt unter sprühendenFlammen in den sich öffnenden Boden. Rauschend enthusiastischer